Wer Influencer-Preise kalkulieren will, braucht kein Gefühl für „den Markt“, sondern eine Rechnung, die er erklären kann. Sie hat drei Teile: ein Grundhonorar, das Aufwand und Kosten deckt, Aufschläge für das, was die Marke zusätzlich bekommt, und einen Angebotspreis, bei dem du über den Umfang verhandelst.
Mit dieser Rechnung nennst du Preise ruhig und begründet statt aus dem Bauch. Hier rechnest du ein Beispiel Schritt für Schritt durch, prüfst das Ergebnis mit einer Gegenprobe und siehst, wie du ein Gegenangebot baust, ohne dich unter Wert zu verkaufen.
Influencer-Preise kalkulieren: vom Aufwand zum Grundhonorar
Das Grundhonorar ist der Preis für die eigentliche Arbeit am Beitrag, ohne Extras. Du kannst es in vier Schritten ermitteln:
- Arbeitsschritte auflisten: Konzept, Dreh, Schnitt, Abstimmung mit der Marke, Veröffentlichung.
- Stunden schätzen: Rechne realistisch, mit Korrekturen. Miss bei den ersten Aufträgen die echte Zeit.
- Stundensatz festlegen: Was muss eine Stunde Arbeit einbringen, damit das Geschäft des Creators trägt? Das legst du fest, nicht der Markt.
- Kosten addieren: Material, Requisiten, Reisen, Musik und alles, was der Beitrag direkt kostet.
Die Formel: Stunden × Stundensatz + Kosten = Grundhonorar.
Diese Zahl ist deine Untergrenze. Liegt ein Angebot darunter, arbeitet der Creator nicht kostendeckend. Steuern und Abgaben klärst du mit deiner Steuerberatung.
Was zusätzlich zählt: Aufschläge
Auf das Grundhonorar kommen Aufschläge für das, was die Marke über den Beitrag hinaus bekommt:
- Nutzungsrechte: Darf die Marke das Material über den Kanal des Creators hinaus verwenden, etwa in Anzeigen oder auf der Website? Dann steigt der Preis mit Kanal, Land und Dauer. Wie die Rechte formuliert werden, klärst du mit deiner Kanzlei.
- Exklusivität: Der Creator darf für eine Zeit nicht mit Wettbewerbern arbeiten. Das schränkt seine Einnahmen ein und gehört bezahlt.
- Eilauftrag: Wer sehr kurzfristig liefern soll, verschiebt andere Arbeit.
- Zusatzleistungen: weitere Beiträge, Rohmaterial, zusätzliche Korrekturschleifen.
Lege jeden Aufschlag als Prozentsatz oder festen Betrag fest und schreibe ihn auf. Für UGC-Videos ist der Zusammenhang noch enger. Dazu gibt es den Rechner zur UGC-Vergütung berechnen, der Videos, Nutzungsrechte und Extras trennt.
Rechenbeispiel: ein Video mit Anzeigennutzung
Die Zahlen sind frei gewählt, keine Richtwerte, ohne Steuern. Creatorin Elin Berg soll für die Marke Kalmira ein Video drehen. Die Marke möchte es auch in bezahlten Anzeigen nutzen und vier Wochen Exklusivität in der Kategorie. Dazu kommen drei Stories.
Schritt 1: Grundhonorar.
- 11 Stunden (Konzept 2, Dreh 4, Schnitt 4, Abstimmung 1)
- Stundensatz: 70 €
- Kosten: 80 € Material
- Grundhonorar: 11 × 70 € + 80 € = 850 €
Schritt 2: Aufschläge.
- Nutzung in Anzeigen: 30 % von 850 € = 255 €
- Exklusivität vier Wochen: 20 % von 850 € = 170 €
- drei zusätzliche Stories: 3 × 75 € = 225 €
Schritt 3: Summe.
- 850 € + 255 € + 170 € + 225 € = 1.500 €
- Das ist dein Angebotspreis.

Spielraum für die Verhandlung hast du nicht im Preis, sondern im Umfang: Jeder Baustein lässt sich einzeln streichen.
Gegenprobe: Preis je tausend Kontakte
Prüfe, ob das Angebot für die Marke nachvollziehbar ist. Teile den Preis durch die erwarteten Kontakte und rechne auf tausend hoch. Angenommen, du erwartest 30.000 Aufrufe: 1.500 € ÷ 30.000 × 1.000 = 50 € je tausend Kontakte. Ob das für die Marke passt, entscheidet sie selbst. Du siehst aber, mit welcher Zahl sie vergleicht. Den Rechenweg übernimmt der Rechner zum TKP berechnen. Nenne keine Zahl als „üblich“: Was für eine Marke teuer wirkt, ist für die andere günstig.
Mehrere Beiträge: wann ein Paketpreis fair ist
Bucht eine Marke drei Videos statt eines, wirst du nach einem Rabatt gefragt. Rechne nach, statt zu raten. Ein Rabatt ist nur dort fair, wo wirklich Arbeit entfällt.
Im Beispiel entsteht das Konzept einmal statt dreimal. Die Zahlen sind frei gewählt:
- Konzept: 2 Stunden einmal
- Dreh: 3 × 4 = 12 Stunden
- Schnitt: 3 × 4 = 12 Stunden
- Abstimmung: 3 × 1 = 3 Stunden
- Zusammen 29 Stunden × 70 € = 2.030 €, dazu 3 × 80 € Material = 240 €
- Grundhonorar für drei Videos: 2.270 €
Dreimal Einzelpreis wären 3 × 850 € = 2.550 €. Der Unterschied von 280 € entspricht den 4 Stunden, die du beim Konzept sparst. Mehr Rabatt ist ein Geschenk an die Marke. Lass ihn bei Serien dort zu, wo du dafür verlässliche Aufträge bekommst, und schreibe die Menge ins Angebot.
Wo die Provision hineingehört
Arbeitet ein Management mit Provision, entscheidest du, wie sie den Preis berührt:
- Provision im Preis: Der Angebotspreis von 1.500 € bleibt, das Management behält davon seinen Anteil. Bei 20 % sind das 300 €, der Creator bekommt 1.200 €. Dann muss dein Grundhonorar schon die Provision mittragen.
- Provision obendrauf: Der Creator bekommt sein Honorar, die Marke zahlt die Provision zusätzlich. Das ist für die Marke teurer und verlangt klare Absprachen.
Beides ist möglich. Entscheidend ist, dass der Creator weiß, welche Variante gilt. Mehr zur Rolle der Provision findest du im Ratgeber zur Provision Influencer Management.
Wenn die Marke ein kleineres Budget hat
Die Marke Kalmira antwortet: „Wir haben 1.100 € eingeplant.“ Jetzt zeigt sich, ob dein Preis aus Bausteinen gebaut ist. Du musst nicht rechnen, sondern streichen:
| Variante | Enthalten | Preis |
|---|---|---|
| Wunschpaket | Video, Anzeigen, Exklusivität, 3 Stories | 1.500 € |
| Gegenangebot | Video, Exklusivität, ohne Anzeigen, ohne Stories | 1.020 € |
Das Gegenangebot rechnet sich so: Grundhonorar 850 € + 170 € Exklusivität = 1.020 €. Es liegt unter dem Budget, und du hast nichts verschenkt. Anzeigen und Stories lassen sich später nachbuchen. Wie du das Gespräch führst, zeigt der Ratgeber zum Honorar verhandeln.
Der Angebotstext zum Kopieren
Ein Angebot mit Bausteinen macht deine Rechnung sichtbar, ohne dass du jede Zahl erklären musst:
Guten Tag Frau Keller, vielen Dank für Ihre Anfrage. Für Elin Berg schlagen wir folgendes Paket vor: ein Video (60 Sekunden, zwei Korrekturschleifen) für 850 €. Nutzung in bezahlten Anzeigen für drei Monate: 255 €. Exklusivität in der Kategorie für vier Wochen: 170 €. Drei zusätzliche Stories: 225 €. Gesamtpreis 1.500 €, Lieferung bis zum 12.11. Gern passen wir den Umfang an Ihr Budget an. Beste Grüße, Alex Nord, Studio Nordlicht
Preise pflegen statt neu raten
Ein Preis ist keine einmalige Entscheidung. Passe ihn an, wenn sich etwas ändert:
- Nach jedem Auftrag: Hat der Aufwand zum Ansatz gepasst? Wenn nicht, korrigiere die Stunden.
- Nach Absagen: Sagen mehrere Marken wegen des Preises ab, prüfe Umfang und Paket vor dem Preis.
- Bei neuen Formaten: Ein neues Format bekommt einen neuen Ansatz, kein Pauschalaufschlag.
- Jährlich: Prüfe Stundensatz und Kosten und aktualisiere die Preisliste.
Die Ergebnisse halten viele in einer Preisliste fest. Wie die aussieht, zeigt der Ratgeber zur Rate Card für Creator.
Typische Fehler beim Preise setzen
Der Preis folgt nur der Reichweite
Reichweite zählt, aber sie deckt weder Aufwand noch Nutzungsrechte. Zwei Creator mit gleicher Reichweite können sehr unterschiedlich arbeiten.
Nutzungsrechte sind „inklusive“
Was nicht bepreist ist, wird später verlangt. Nenne Nutzung, Dauer und Kanäle im Angebot.
Preise werden beim Verhandeln gesenkt
Streiche Leistung, nicht Preis. Sonst bekommt die Marke dasselbe für weniger, und der nächste Auftrag startet auf dem niedrigeren Preis.
Kein Preis für Korrekturen
Ohne vereinbarte Schleifen entstehen unbezahlte Stunden. Lege fest, wie viele enthalten sind und was jede weitere kostet.
Wann eine Tabelle reicht
Mit einem Creator und wenigen Aufträgen reicht eine Tabelle: Zeilen für Bausteine, Spalten für Stunden, Satz, Aufschläge, Summe. Wenn mehrere Creator eigene Sätze haben und Angebote in Fassungen kursieren, brauchst du eine Stelle, an der der aktuelle Stand steht.
So bildet CreatorOffice die Preise im Alltag ab
CreatorOffice ist ein Backoffice im Browser für Talent-Managements und Influencer-Agenturen. In CreatorOffice hängt alles an der Kooperation. Für Preise und Angebote sind diese Funktionen belegt:
- Media-Kits je Creator: Kurzprofil, Themen und Kennzahlen je Plattform mit Stand, auf Wunsch Preise und Referenzen. Versand als persönlicher, befristeter Link, den du jederzeit widerrufen kannst. Ab Tarif Team.
- Angebote als PDF in Fassungen: Ab Tarif Team, zusammen mit Anfragen samt Budget, Zeitraum und Stand.
- Provisionssatz: je Kooperation, je Creator oder als Standard der Agentur. Beim Anlegen der Kooperation wird er festgeschrieben.
- Kennzahlen: trägst du von Hand ein, mit Stand je Plattform.
Die Kennzahlen kommen nicht automatisch aus den Plattformen. Auch die Preise legst du selbst fest. CreatorOffice hält sie fest und macht sie auffindbar. Die Seite CRM für Influencer-Agenturen zeigt den Bereich im Ganzen, die Tarife zeigen, was wo enthalten ist.
Häufige Fragen
Wie kann ich Influencer-Preise kalkulieren?
Ermittle ein Grundhonorar aus Stunden, Stundensatz und Kosten. Addiere Aufschläge für Nutzungsrechte, Exklusivität und Extras. Die Summe ist dein Angebotspreis. Spielraum hältst du über den Umfang bereit.
Wie berechne ich das Honorar für ein Video?
Stunden mal Stundensatz plus Kosten ergibt das Grundhonorar. Dazu kommen Aufschläge für Nutzung und Exklusivität. Im Beispiel: 11 Stunden zu 70 € plus 80 € Material sind 850 €.
Wie hoch ist der Aufschlag für Nutzungsrechte?
Eine feste Zahl gibt es nicht. Der Aufschlag hängt von Kanälen, Ländern und Dauer ab und wird als Prozentsatz oder fester Betrag vereinbart. Die Formulierung im Vertrag klärst du mit deiner Kanzlei.
Soll ich mich bei der Preisbildung an der Reichweite orientieren?
Reichweite ist ein Faktor, aber nicht der einzige. Aufwand, Nutzung und Exklusivität zählen genauso. Eine Gegenprobe über den Preis je tausend Kontakte zeigt, womit die Marke vergleicht.
Was tun, wenn die Marke weniger zahlen will?
Streiche Leistung statt Preis: etwa Anzeigennutzung oder Zusatzbeiträge. So bleibt das Grundhonorar erhalten, und du kannst Teile später nachbuchen.
Wo halte ich Preise und Angebote fest?
In einer Tabelle oder Preisliste. Ab Tarif Team legst du in CreatorOffice Angebote als PDF in Fassungen an und kannst Preise im Media-Kit zeigen.
CreatorOffice kostenlos testen
Wenn du Preise, Angebote und Media-Kits an einem Ort pflegen willst, probiere es mit einem echten Angebot aus. Teste CreatorOffice 14 Tage kostenlos im Tarif deiner Wahl.


