Beim Influencer-Casting wählst du aus vielen möglichen Creatorn die wenigen aus, die zu einer Kampagne passen. Du übersetzt dazu das Briefing der Marke in Kriterien, sammelst Kandidaten, bewertest sie nach festen Punkten und legst der Marke eine begründete Auswahl vor.
Ohne Verfahren entscheidet der Bauch, und der führt oft zu den bekanntesten Namen statt zu den passendsten. Hier lernst du ein Verfahren in sechs Schritten kennen, mit Punktebewertung als Rechenbeispiel, einer Vorlage für die Anfrage an die Creator und einer Checkliste für den Pitch.
Was Influencer-Casting von der einfachen Anfrage unterscheidet
Bei einer Anfrage für einen bestimmten Creator brauchst du kein Casting. Die Marke nennt den Namen, du prüfst Preis und Termin. Casting beginnt dort, wo die Marke ein Ziel nennt und dich bittet, Creator vorzuschlagen: „Wir suchen drei Stimmen für unsere Herbstjacke.“
Dann bist du der Filter. Dein Wert liegt darin, dass du passende Creator kennst, ihre Verfügbarkeit einschätzt und die Auswahl begründest. Das geht schneller und besser mit festen Schritten.

Schritt 1: Das Briefing in Kriterien übersetzen
Lies das Briefing und trenne zwei Arten von Kriterien.
Muss-Kriterien schließen aus. Wer sie nicht erfüllt, kommt nicht auf die Liste:
- Sprache und Region der Zielgruppe
- Plattform und Format, etwa Video
- Zeitraum, in dem der Creator verfügbar sein muss
- Ausschlüsse: kein Konflikt mit anderen Marken derselben Kategorie, keine Themen, die die Marke ablehnt
Kann-Kriterien geben Punkte:
- Passung von Thema und Marke
- Zielgruppe des Creators
- Qualität und Stil früherer Beiträge
- Verfügbarkeit im gewünschten Zeitraum
- Preis im Verhältnis zum Budget
Schreibe die Kriterien in einer Zeile pro Kriterium auf und lege sie der Marke zur Bestätigung vor. So findest du früh heraus, ob dein Verständnis des Briefings stimmt.
Schritt 2: Die Longlist sammeln
Die Longlist ist deine Sammlung aller Kandidaten, die die Muss-Kriterien erfüllen. Quellen:
- die eigenen Talents deiner Agentur
- Creator aus deinem Netzwerk, die du schon kennst
- Empfehlungen aus dem Team
- frühere Kooperationen, die gut liefen
Notiere je Kandidat: Name, Themen, Plattform, Kennzahlen mit Stand und Quelle, Ansprechperson und eine Zeile zur Passung. Kennzahlen sind Momentaufnahmen. Schreibe das Datum dazu, sonst vergleichst du später Zahlen aus unterschiedlichen Monaten.
Wie viele Kandidaten? Als Faustregel für drei gesuchte Creator genügen 20 bis 30. Mehr Namen machen die Bewertung länger, nicht besser.
Schritt 3: Mit Punkten bewerten
Gib jedem Kann-Kriterium ein Gewicht von 1 bis 3 und jedem Kandidaten 1 bis 5 Punkte je Kriterium. Das Gewicht sagt, wie wichtig das Kriterium dieser Marke ist.
Rechenbeispiel: fünf Kandidaten für drei Plätze
Die Zahlen sind frei gewählt, keine Marktpreise und ohne Steuern. Die Marke Avorae sucht drei Creator für eine Herbstjacke. Das Budget liegt bei 12.000 €.
| Kriterium | Gewicht | Jona Wiese | Mara Linden | Elin Berg | Ava Brandt | Noah Falk |
|---|---|---|---|---|---|---|
| Passung von Thema und Marke | 3 | 4 | 5 | 3 | 5 | 2 |
| Zielgruppe | 3 | 5 | 4 | 3 | 5 | 3 |
| Qualität der Beiträge | 2 | 3 | 4 | 5 | 3 | 4 |
| Verfügbarkeit | 2 | 5 | 3 | 4 | 2 | 5 |
| Preis zum Budget | 2 | 4 | 3 | 5 | 2 | 5 |
Die Rechnung für Jona Wiese: 3 mal 4 = 12, 3 mal 5 = 15, 2 mal 3 = 6, 2 mal 5 = 10, 2 mal 4 = 8. Zusammen 51 von höchstens 60 Punkten.
| Creator | Punkte |
|---|---|
| Jona Wiese | 51 |
| Mara Linden | 47 |
| Elin Berg | 46 |
| Ava Brandt | 44 |
| Noah Falk | 43 |
Auf den ersten Blick liegen drei Creator vorn. Ava Brandt hat die höchste Passung zu Thema und Zielgruppe, verliert aber bei Verfügbarkeit und Preis. Sie gehört auf die Reserveliste. Wer zwei Punkte hinter dem Dritten liegt, ist kein „Verlierer“: Bei so engen Abständen entscheiden Gespräch und Gefühl.
Danach prüfst du das Budget: Jona Wiese kostet 4.200 €, Mara Linden 4.000 €, Elin Berg 3.000 €. Zusammen 11.200 €. Das passt in das Budget von 12.000 €, und 800 € bleiben als Puffer für Auslagen.
Schritt 4: Die Auswahl mischen
Nach der Punktzahl kommt die Zusammenstellung. Drei Creator mit demselben Profil erreichen dieselbe Gruppe dreimal. Prüfe deshalb die Mischung:
- Erreichen die Creator unterschiedliche Teile der Zielgruppe?
- Gibt es einen Anker mit Reichweite und eine Stimme mit enger Bindung?
- Passen die Stile zusammen, ohne gleich auszusehen?
- Ist ein Reserve-Creator benannt, falls jemand ausfällt?
Dann kommt die Gegenprobe: Würdest du diese drei der Marke empfehlen, wenn niemand die Punkte sehen würde? Fühlt sich eine Zusammenstellung falsch an, ändere die Gewichte nicht heimlich. Schreibe den Grund auf und tausche bewusst.
Schritt 5: Verfügbarkeit und Exklusivität beim Creator klären
Bevor die Marke Namen erfährt, fragst du die Creator. Sonst sagst du etwas zu, das niemand halten kann. Frage in der Anfrage drei Dinge: Zeitraum, Umfang und mögliche Konflikte mit anderen Marken derselben Kategorie. Wie Exklusivität im Vertrag geregelt wird, klärst du mit deiner Kanzlei.
Die Anfrage kann so aussehen:
Hallo Jona, die Marke Avorae sucht für Ende Oktober drei Stimmen für eine Herbstjacke, Umfang ein Video und zwei Stories, Budget im Bereich deines Honorars. Hast du Interesse und im Zeitraum vom 20. bis 31.10. Platz? Gibt es Marken in der Kategorie Outdoor, mit denen du aktuell in Gesprächen bist? Ich brauche deine Antwort bis Donnerstag, damit ich die Auswahl vorlegen kann. Beste Grüße, Alex
Schritt 6: Der Pitch an die Marke
Lege der Marke eine Auswahl vor, nicht eine Namensliste. Für jeden Creator genügt eine halbe Seite:
- Wer: Name, Themen, Plattform, Kennzahlen mit Stand
- Warum: zwei Sätze zur Passung zum Briefing der Marke
- Wie: Umfang, Termin und Honorar
- Beleg: ein früherer Beitrag oder eine Referenz ohne Beträge
Am Ende steht eine klare Empfehlung: „Wir empfehlen diese drei, Ava Brandt als Reserve.“ Wie du Media-Kit und Pitch-Liste inhaltlich aufbaust, steht im Ratgeber zum Media Kit erstellen.
Checkliste vor dem Versand
Typische Fehler und wie du sie behebst
Die Auswahl startet bei den Namen, nicht beim Briefing
Wer mit Favoriten beginnt, sucht danach Gründe. Starte mit den Kriterien und prüfe erst danach, wer sie erfüllt.
Zu viele Kriterien
Mit zehn gleich gewichteten Kriterien verschwindet, was wichtig ist. Bleib bei fünf und lege Gewichte fest.
Kennzahlen ohne Datum
Zahlen aus verschiedenen Monaten lassen sich nicht vergleichen. Notiere bei jeder Zahl Stand und Quelle.
Zusagen an die Marke vor der Antwort des Creators
Du hast einen Namen genannt, der Creator sagt ab, und die Marke fragt nach. Hole die Antwort vorher.
Keine Reserve
Fällt ein Creator aus, fängst du bei null an. Halte stets eine Ersatzperson bereit, mit Preis und Termin.
Keine Rückmeldung an Nichtgewählte
Creator, die nicht zum Zug kommen, merken sich, wie du mit ihnen umgehst. Eine kurze Nachricht mit Dank und Aussicht auf künftige Projekte reicht.
So bildet CreatorOffice das Casting ab
CreatorOffice ist ein Backoffice im Browser für Talent-Managements und Influencer-Agenturen. In CreatorOffice hängt alles an der Kooperation: Wer ausgewählt ist, wird zur Kooperation, und der nächste Schritt übernimmt, was du eingetragen hast. Für das Casting sind diese Funktionen belegt:
- Media-Kits je Creator: Kurzprofil auf Deutsch und Englisch, Themen, Kennzahlen je Plattform mit Stand, auf Wunsch Preise und Referenzen. Referenzen zeigen nie Beträge oder Konditionen. Ab Tarif Team.
- Pitch-Listen: bis zu 30 Creator, Versand als persönlicher, befristeter, widerrufbarer Link. Ab Tarif Team.
- Anfragen mit Stand: Anfragen mit Budget, Zeitraum und Stand bis zur Zusage, mit Hinweis bei Überschneidungen von Exklusivität. Ab Tarif Team.
- Angebote: als PDF in Fassungen. Ab Tarif Team.
- Von der Zusage zur Kooperation: Aus der Zusage wird die Kooperation, mit Monaten und Leistungen.
- Kennzahlen: Du trägst sie von Hand ein. Eine automatische Übernahme von Plattformen gibt es nicht.
Das Punktesystem, die Gewichte und die Auswahl legst du selbst fest, zum Beispiel in einer Tabelle. CreatorOffice bewertet keine Creator. Mehr zum Bereich findest du auf der Seite CRM für Influencer-Agenturen. Welche Funktion in welchem Tarif steckt, zeigen die Tarife.
Häufige Fragen
Was ist Influencer-Casting?
Influencer-Casting heißt, aus vielen möglichen Creatorn die passenden für eine Kampagne auszuwählen. Du übersetzt das Briefing in Kriterien, sammelst eine Longlist, bewertest nach Punkten und legst der Marke eine begründete Shortlist vor.
Wie wähle ich Creator für eine Kampagne aus?
Starte mit dem Briefing der Marke und leite Muss- und Kann-Kriterien ab. Sammle 20 bis 30 Kandidaten, bewerte sie nach Gewichten und prüfe das Budget. Frage Verfügbarkeit ab, bevor du Namen nennst.
Wie groß sollte die Shortlist sein?
Für drei gesuchte Creator reichen sieben bis neun Kandidaten auf der Shortlist. Mit den Reserven hast du Ersatz, ohne die Marke mit Namen zu überfordern.
Wie viele Creator braucht eine Kampagne?
Das hängt von Ziel und Budget ab. Drei Stimmen mit unterschiedlichen Profilen sind für viele Kampagnen ein handhabbarer Rahmen. Entscheidend ist, dass das Budget für jeden Creator ein ordentliches Honorar zulässt.
Was ist eine Shortlist für Creator?
Eine Shortlist ist die engere Auswahl nach der Bewertung, meist sieben bis neun Namen. Daraus entsteht die endgültige Auswahl, die du der Marke vorlegst, und eine Reserve.
Wie unterstützt CreatorOffice das Casting?
Mit Media-Kits, Pitch-Listen für bis zu 30 Creator und Anfragen mit Hinweis bei Überschneidungen von Exklusivität, ab Tarif Team. Die Bewertung selbst nimmst du selbst vor.
CreatorOffice kostenlos testen
Lege eine Pitch-Liste mit drei Creatorn an und sieh, wie aus der Zusage die Kooperation wird. Teste CreatorOffice 14 Tage kostenlos im Tarif deiner Wahl.


