Ein gutes Angebot für einen Videodreh beantwortet nicht nur die Preisfrage. Es übersetzt eine oft vage Anfrage in einen Produktionsumfang, den beide Seiten gleich verstehen: Was wird vorbereitet, wie lange wird gedreht, wer wird benötigt, welche Nachbearbeitung ist enthalten und welche Dateien erhält der Kunde am Ende?
Gerade bei Video entstehen sonst kleine Zusatzwünsche an vielen Stellen. Ein weiteres Motiv, eine zweite Person, eine zusätzliche Hochkantfassung oder ein später gewünschter Schnitt wirken einzeln überschaubar, können zusammen aber einen anderen Auftrag ergeben. Deshalb steht im Angebot zuerst die Leistung und erst danach die Summe.
Angebot Videodreh: erst die Produktionsannahmen festhalten
Bevor du einzelne Positionen schreibst, notierst du die Annahmen, auf denen dein Angebot beruht. Beispiel: ein Drehort, vier Produktmotive, eine Interviewperson, vorhandenes Markenmaterial und eine Ansprechperson für die Freigabe. Diese Angaben wirken unspektakulär, verhindern aber später die Frage, ob ein zweiter Ort oder drei weitere Motive „doch noch dazugehören“.
Schreib Annahmen so, dass ein Außenstehender sie prüfen kann. „Kleiner Dreh“ ist keine Annahme. „Ein Drehort, maximal fünf vorbereitete Motive, eine Person vor der Kamera“ ist es. Wenn der Kunde etwas ändert, siehst du sofort, welche Position neu gerechnet werden muss.
Das Angebot in fünf Leistungsblöcke teilen
Für Videoproduktionen eignet sich eine Gliederung, die dem tatsächlichen Ablauf folgt:
- Vorproduktion: Briefing, Rückfragen, Motivliste, einfacher Ablauf.
- Drehzeit: vereinbartes Zeitfenster vor Ort inklusive Aufbau, soweit von dir übernommen.
- Benötigte Rollen: zum Beispiel Kamera durch dich; zusätzliche Rollen nur, wenn sie Bestandteil des Auftrags sind.
- Nachbearbeitung: Auswahl, Schnitt, Tonanpassung oder andere konkret benannte Aufgaben.
- Lieferung: Anzahl der Fassungen, Seitenverhältnis, ungefährer Umfang und erster Liefertermin.
Diese Struktur ist wichtiger als ein besonders schönes Angebotsdokument. Sie macht sichtbar, welche Arbeit in welcher Phase steckt und wo eine Änderung Folgen hat.
Korrekturrunden und erste Fassung gehören in den Umfang
„Schnitt inklusive“ ist zu offen. Beschreib stattdessen, was die erste Fassung enthält und wie Feedback verarbeitet wird. Zum Beispiel: „Eine Hauptfassung im Hochformat, erste Fassung bis 18. Oktober, eine gebündelte Korrekturrunde zu Schnitt und Text-Einblendungen.“ Eine Korrekturrunde bedeutet, dass Rückmeldungen zu dieser Fassung gesammelt werden; eine komplett neue Richtung ist etwas anderes.
Lege auch fest, über wen Rückmeldungen kommen. Wenn drei Personen einzeln Kommentare senden, musst du sonst selbst entscheiden, welche Änderung Vorrang hat. Eine zuständige Person oder ein gebündeltes Feedback schützt nicht vor jeder Schleife, macht den Ablauf aber eindeutig.
Bei Vertragsdetails oder Nutzungsfragen verweist du auf eine Kanzlei, statt im Angebot selbst allgemeine Rechtsregeln zu erklären. Für steuerliche Angaben ist deine Steuerberatung die richtige Stelle.
Rechenbeispiel für einen kleinen Produktdreh
Nehmen wir einen frei erfundenen Auftrag: Die Getränkemarke Quellwerk möchte vier kurze Produktsequenzen an einem Ort und daraus zwei geschnittene Fassungen. Du planst folgende eigene Zeit:
| Arbeitsblock | Zeit |
|---|---|
| Briefing und Motivabstimmung | 1,5 Stunden |
| Aufbau und Dreh | 4 Stunden |
| Auswahl und Datensicherung | 1 Stunde |
| Schnitt von zwei Fassungen | 3 Stunden |
| gebündelte Korrekturrunde | 1 Stunde |
Das sind insgesamt 10,5 Stunden. Frei gewählt, keine Marktpreise, ohne Steuern: Mit einem eigenen internen Satz von 62 € pro Stunde ergibt sich 10,5 × 62 € = 651 €. Für die Anfahrt setzt du im Beispiel weitere 29 € konkrete Kosten an. Rechenwert: 651 € + 29 € = 680 €.

Die Grafik zeigt dieselben fünf Arbeitsblöcke wie die Tabelle. Dein tatsächliches Angebot kann anders aussehen; entscheidend ist, dass du jede Zahl auf eine reale Aufgabe zurückführen kannst. Für deinen eigenen Stundensatz hilft dir die Kalkulationshilfe in der kostenlosen Preisliste-Vorlage.
Welche Arbeitsprobe du dem Angebot beilegst, erklärt der Ratgeber Videograf-Portfolio.
Zusatzwünsche nach der Zusage sauber abgrenzen
Angenommen, nach der Bestätigung bittet Quellwerk zusätzlich um drei Querformatfassungen und einen zweiten Interviewblock. Antworte nicht nur mit „klar“. Prüfe, ob sich dadurch Drehzeit, Schnittmenge oder Beteiligte ändern. Wenn ja, dokumentierst du den neuen Umfang und nennst die Auswirkung auf Preis oder Termin, bevor du ihn einplanst.
Eine mögliche Formulierung:
Die drei zusätzlichen Querformatfassungen waren im bestätigten Umfang noch nicht enthalten. Ich kann sie gern ergänzen. Dafür plane ich einen zusätzlichen Schnittblock ein und schicke euch die Ergänzung zum Angebot, bevor ich starte. Der bisher bestätigte Dreh bleibt unverändert.
Das ist weder konfrontativ noch kleinlich. Es trennt lediglich den ursprünglichen Auftrag von einer neuen Aufgabe.
Angebotsvorlage für die wichtigsten Punkte
Du kannst dein Dokument mit dieser Reihenfolge prüfen:
Ziel der Produktion: [gewünschtes Ergebnis] Annahmen: [Ort, Motive, Personen, vorhandenes Material] Vorproduktion: [konkrete Aufgaben] Dreh: [Zeitfenster und enthaltene Rolle] Nachbearbeitung: [Auswahl, Schnitt, Ton, Einblendungen] Lieferung: [Anzahl und Format der Fassungen] Feedback: [Anzahl und Form der Korrekturrunden] Termine: [Drehtag, erste Fassung, finale Lieferung] Preis: [Summe und nachvollziehbare Positionen]
Prüf danach, ob jede Kundenfrage irgendwo beantwortet ist. Fehlt etwa die Zahl der Motive, gehört sie in die Annahmen. Fehlt der Termin der ersten Fassung, gehört er in die Lieferung oder Terminzeile. Für die operative Vorbereitung danach hilft dir Drehtag planen.
Ein Angebot an einer echten Produktionsentscheidung testen
Bevor du ein Videodreh-Angebot verschickst, lies es einmal nicht als Videograf, sondern als Kunde. Nimm an, Quellwerk möchte an einem Nachmittag Material für eine Produktseite und drei kurze Hochkantvideos aufnehmen. Im Dokument steht zwar „halber Drehtag“, aber noch nicht, ob Motivplanung, Ton, Dateiauswahl und Schnitt dazugehören. Genau hier entstehen später unterschiedliche Erwartungen.
Hilfreich ist außerdem eine kleine „Nicht enthalten“-Zeile, aber ohne lange Ausschlussliste. Für den Beispielauftrag könnte dort stehen: „Weitere Drehtage, zusätzliche Schnittfassungen und eine nachträgliche Konzeptentwicklung sind nicht enthalten und werden bei Bedarf neu abgestimmt.“ Der Satz macht das Angebot nicht unfreundlich, sondern lesbar.
Häufige Fragen
Wie detailliert muss ein Angebot für einen Videodreh sein?
So detailliert, dass Umfang, Annahmen, Lieferung und Feedback nicht unterschiedlich verstanden werden können. Du brauchst keine seitenlange Produktionsbeschreibung, aber konkrete Mengen und Zeitpunkte.
Soll ich Fahrtkosten im Videodreh-Angebot einzeln aufführen?
Wenn sie für deinen Rechenweg relevant sind, kannst du sie als konkrete Zusatzkosten sichtbar machen. Wichtig ist, dass dein Kunde erkennt, welche Leistung und welche externen Kosten in der Summe stecken.
Was ist der Unterschied zwischen Korrektur und neuer Variante?
Eine Korrektur verändert die vereinbarte Fassung innerhalb derselben Richtung. Eine zusätzliche Variante erzeugt ein weiteres Ergebnis oder eine neue Richtung und kann deshalb zusätzlichen Umfang bedeuten.
Muss ich schon vor dem Angebot einen vollständigen Drehplan haben?
Nein. Für das Angebot reichen die kalkulationsrelevanten Eckpunkte. Der detaillierte Ablauf entsteht nach der Zusage, sobald Motive, Personen und Zeitfenster bestätigt sind.
Wie gehe ich vor, wenn der Kunde den Umfang noch nicht kennt?
Mach die offenen Punkte sichtbar und kalkuliere erst den bestätigten Teil. Alternativ kannst du Varianten mit klar unterschiedlichen Annahmen anbieten, statt eine einzige Zahl für einen unbestimmten Auftrag zu nennen.
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