Die Marke meldet sich wieder. Ihr habt schon mehrmals zusammengearbeitet, die Abstimmung ist unkompliziert, und diesmal möchte sie dasselbe Reel wie beim letzten Mal buchen. Nur liegt dein damaliger Preis inzwischen deutlich unter deiner heutigen Rate. Wie sagst du einem guten Bestandskunden, dass die Kooperation teurer geworden ist, ohne unnötig Stress zu erzeugen?
Der entscheidende Punkt: Du musst dich für ein aktualisiertes Honorar nicht entschuldigen. Du solltest es aber auch nicht ohne Vorbereitung mitten in eine bereits bestätigte Kampagne hineinwerfen. Erfolgreiche Preiserhöhungen sind begründbar, zeitlich sauber angekündigt und mit einem klaren Leistungsumfang verbunden.
In diesem Ratgeber findest du eine Entscheidungshilfe, Rechenbeispiele und direkt anpassbare E-Mail-Vorlagen für Marken, die schon einmal mit dir gearbeitet haben.
Fünf Signale, dass dein bisheriges Honorar nicht mehr passt
Eine Preiserhöhung ist nicht automatisch sinnvoll, nur weil das neue Jahr begonnen hat. Sie wird überzeugender, wenn du zeigen kannst, was sich seit dem letzten Angebot verändert hat.
1. Deine typischen Ergebnisse sind besser. Nicht ein einzelnes virales Video, sondern die durchschnittlich erzielte oder typische Reichweite relevanter Beiträge hat sich nachweislich verbessert. Vielleicht erreicht deine Community heute mehr Menschen in einer für die Marke wichtigen Zielgruppe.
2. Deine Inhalte sind aufwendiger geworden. Du produzierst inzwischen mit besserem Konzept, zusätzlichen Szenen oder professionellerer Postproduktion, benötigst dafür aber auch mehr Zeit.
3. Der ursprünglich vereinbarte Umfang ist schleichend gewachsen. Aus einem Reel wurden mehrere Hook-Versionen, mehr Korrekturschleifen und ein zusätzliches Story-Reminder. Wenn die Leistung wächst, ist ein unveränderter Preis wirtschaftlich nicht automatisch fair.
4. Die Nachfrage übersteigt deine verfügbare Zeit. Wenn du regelmäßig passende Anfragen ablehnen musst, kann das ein Hinweis sein, dass du Kapazitäten neu priorisieren und deine Preise überprüfen solltest.
5. Dein bisheriges Honorar deckt deine Kosten nicht mehr angemessen. Das betrifft nicht nur Equipment, sondern auch Schnitt, Management, Reisen, Abstimmung und die Zeit, die du nicht an anderen Projekten arbeitest.
Auch Dealvio und Kudozz nennen Wachstum, bessere Kampagnenergebnisse, zusätzliche Leistung und Nachfrage als mögliche Anlässe (englischsprachige Anbieter-Ratgeber, 2026). Das sind praktische Verhandlungsargumente, keine nachgewiesenen DACH-Marktstandards.
Wie viel solltest du deine Influencer-Preise erhöhen?
Es gibt keine seriös belegte Standard-Prozentzahl, die für alle Creator und alle Bestandskunden richtig wäre. Wer dir pauschal verspricht, dass Marken „15 % immer akzeptieren“, beschreibt keine belastbare Gewissheit.
Lege zuerst die neue Leistung fest und ermittle, welches Honorar du für sie heute verlangen würdest. Vergleiche dann drei Dinge: dein bisheriges Honorar, den veränderten Aufwand und die Ergebnisse deiner jüngsten vergleichbaren Buchungen. Frage dich außerdem, ob du den neuen Preis bereits bei anderen Marken durchsetzen konntest.
Ein rein fiktives Rechenbeispiel zeigt, wie du eine Erhöhung intern bewerten kannst:
| Alte Kondition | Neue Kondition | |
|---|---|---|
| Honorar für dasselbe definierte Reel | 800 € | 1.000 € |
| Veränderung | entfällt | +200 € |
| Prozentuale Veränderung | entfällt | +25 % |
Rechenweg: (1.000 € − 800 €) ÷ 800 € × 100 = 25 %. Die Beträge sind frei gewählt, keine allgemeine Marktpreisempfehlung.
Jetzt kommt der wichtige Teil: Sind die Leistungen wirklich gleich? Wenn die Marke diesmal zusätzlich Rohmaterial, Ads-Nutzung oder mehrere Versionen erwartet, gehört das nicht unbemerkt in den Vergleich. Erst wenn du gleiche oder sauber getrennte Leistungen gegenüberstellst, weißt du, ob du tatsächlich deine Grundrate erhöhst oder lediglich neue Extras berechnest.
Der beste Zeitpunkt: bevor die nächste Kampagne feststeht
Du brauchst bei Bestandskunden vor allem ein sauberes Timing. Neue Konditionen gehören möglichst an den Anfang einer neuen Anfrage, bevor Budget und Umfang final abgestimmt sind. Dann kann die Marke den aktualisierten Betrag von Beginn an einplanen.
Für regelmäßig buchende Marken kann auch eine kurze proaktive Information vor der nächsten Planung sinnvoll sein. Beispielsweise teilst du mit, dass ab einem bestimmten Monat die neue Rate Card für künftige Buchungen gilt. Eine feste branchenweite Vorankündigungsfrist lässt sich daraus nicht ableiten.
Bereits verbindlich bestätigte Aufträge solltest du nicht einfach nachträglich mit einem höheren Betrag versehen. Bei bestehenden Rahmenvereinbarungen oder Preisbindungen ist eine gesonderte Vertragsprüfung notwendig; hier geht es ausschließlich um die geschäftliche Kommunikation.
Ein praxistauglicher Ablauf sieht so aus:
Erst rechnen. Du bestimmst die neue Rate, den Leistungsumfang und deine Untergrenze.
Dann belegen. Du suchst ein bis zwei ehrliche, relevante Argumente aus deinen Zahlen oder aus dem geänderten Produktionsumfang.
Anschließend kommunizieren. Du nennst den neuen Preis sachlich und gibst der Marke einen klaren nächsten Schritt.
Zuletzt verhandeln. Falls Budget und Angebot nicht zusammenpassen, sprichst du über Umfang, Zeitraum oder Anzahl der Kampagnen, nicht reflexhaft über ein unbegründetes Zurück auf den Altpreis.
E-Mail-Vorlage: Die Marke fragt erneut an
Diese Variante passt, wenn dein Ansprechpartner gerade eine neue Zusammenarbeit anfragt und deinen alten Preis vermutlich noch im Kopf hat.
Betreff: Neue Kooperation: aktuelles Angebot
Hey [Name],
wie schön, wieder von dir zu hören! Wir haben die letzte Zusammenarbeit sehr positiv in Erinnerung und können uns auch die neue Kampagne gut vorstellen.
Seit unserer letzten Kooperation haben wir die Konditionen für neue Buchungen angepasst. Für das angefragte [Format] liegt das aktuelle Honorar bei [Betrag] € für [kurz definierter Leistungsumfang].
Hintergrund sind insbesondere [konkreter, belegbarer Grund, z. B. gestiegene durchschnittliche Reichweite oder erweiterter Produktionsumfang].
Wenn das für euch passt, stimmen wir die Details gerne direkt ab.
Viele Grüße
[Name]
Warum diese Nachricht funktioniert: Sie stellt die Zusammenarbeit nicht infrage, benennt aber die aktuelle Rate eindeutig. Es gibt keinen langen Rechtfertigungstext und keinen vorsorglich angebotenen Rabatt.
E-Mail-Vorlage: Preise für bestehende Partner ankündigen
Du möchtest eine Marke informieren, bevor sie die nächste Quartalskampagne plant? Dann darf die Nachricht etwas vorausschauender sein.
Betreff: Kurzes Update zu unseren Kooperationskonditionen
Hey [Name],
ich wollte mich kurz bei dir melden, bevor wir die nächsten Kooperationen planen. Vielen Dank noch einmal für die tolle Zusammenarbeit bisher!
Für neue Buchungen ab [Datum] liegt unsere Rate für [Format und Umfang] bei [neuer Betrag] €. Wir haben unsere Preise auf Basis von [knappe, nachvollziehbare Begründung] aktualisiert.
Bereits gemeinsam bestätigte Kampagnen bleiben davon natürlich unberührt.
Ich freue mich, wenn wir auch künftig wieder zusammenfinden. Lass mich gerne wissen, welche Kampagnen bei euch anstehen.
Viele Grüße
[Name]
Wenn du einer besonders verlässlichen Marke einen Übergang anbieten möchtest, verknüpfe ihn idealerweise mit einer verbindlichen Vorabbuchung oder einem realen Effizienzvorteil. Eine Sonderkondition muss nicht automatisch für alle künftigen Anfragen gelten.
„Wir haben nur das alte Budget“: so kannst du antworten
Das kommt häufig vor: Die Marke mag deinen Content, möchte aber weiterhin beispielsweise 800 € bezahlen, obwohl deine aktuelle Rate bei 1.000 € liegt. Das muss keine Ablehnung deiner Person sein. Vielleicht sind Kampagnenbudgets bereits vergeben oder die Brand vergleicht dein neues Angebot mit ihrer alten Planung.
Du kannst sachlich nachfragen, ob 800 € eine feste Budgetgrenze sind oder ob bei anderem Umfang Spielraum besteht. Wenn die Grenze fest ist, gibt es eine sinnvolle Alternative: Du passt die Leistung an, statt denselben Auftrag dauerhaft billiger zu verkaufen.
Beispielantwort:
Hey [Name], danke dir für die offene Rückmeldung! Ich verstehe, dass ihr mit dem bisherigen Budget plant. Für den angefragten Umfang liegt unsere aktuelle Rate bei 1.000 €. Wenn 800 € eure feste Grenze sind, können wir gerne prüfen, ob wir den Umfang entsprechend schlanker gestalten, beispielsweise [konkretes Extra streichen oder Produktionsaufwand reduzieren]. So kommen wir vielleicht trotzdem gut zusammen.
Die Eurobeträge sind ein hypothetisches Beispiel. Du solltest niemals künstlich Leistungen streichen, die für die Kampagne unverzichtbar sind, nur um eine Zahl zu treffen. Manchmal ist es professioneller, freundlich abzusagen.
Drei Dinge, die du besser nicht schreibst
„Ich weiß, das ist jetzt leider teurer …“ Damit schwächst du deine Position, bevor du überhaupt erklärt hast, was sich geändert hat. Neutraler: „Unsere aktuelle Rate für neue Buchungen liegt bei …“
„Andere Creator verlangen alle viel mehr.“ Solche pauschalen Vergleiche sind selten belastbar und können nach hinten losgehen. Zeige lieber deine eigenen nachvollziehbaren Ergebnisse.
„Nur für euch machen wir alles noch einmal zum alten Preis.“ Das kann eine sinnvolle einmalige Ausnahme sein, aber nur, wenn sie bewusst entschieden wurde. Sonst wird eine neue Rate Card zur unverbindlichen Empfehlung.
Auch bei guten Beziehungen darfst du wirtschaftlich denken. Eine Marke bezahlt dich nicht dafür, dass du dauerhaft bei deinem Einstiegspreis bleibst. Sie bucht eine vereinbarte Leistung zu aktuell verhandelten Konditionen.
Langfristige Partnerschaften anders bewerten als Einzelposts
Manche Bestandskunden bringen dir einen Gegenwert, den du in einem einmaligen Posting-Honorar nicht siehst: zuverlässige Buchungen, klare Briefings, wenige Korrekturschleifen und planbare Projekte. Das kann einen bewussten Paketpreis rechtfertigen.
Beispiel: Statt einem unbefristeten Sonderpreis vereinbart ihr drei konkret definierte Kampagnen für ein Quartal, mit festen Leistungen und abgestimmten Veröffentlichungsfenstern. Dadurch kannst du Produktion und Planung möglicherweise bündeln. Ob der Gesamtpreis dann günstiger ausfällt, hängt von deinem tatsächlichen Aufwand und der Verbindlichkeit der Buchung ab.
Entscheidend ist, dass du Einzelpreis, Paketpreis und zusätzliche Nutzungsrechte sichtbar auseinanderhältst. Bei späteren Verlängerungen oder zusätzlichen Anzeigen sollte nicht automatisch alles in der ursprünglichen Grundrate enthalten sein. Falls die Brand mehr Rechte möchte, hilft der Ratgeber zur Buyout-Kalkulation.
Dokumentiere neue Konditionen möglichst konsistent. Eine aktuelle Rate Card, saubere Angebote und die Aufzeichnung der tatsächlich gebuchten Leistungen verhindern, dass du bei jedem Kontakt wieder von vorne verhandelst. Einen allgemeinen Einstieg dazu findest du bei Honorar mit Marken verhandeln.
Quellen und Einordnung
Recherche: 13.10.2026. Dealvio, „How to Raise Your Rates With Existing Brand Clients“, 2026 · Kudozz, „How to Raise Your Rates as a Creator“, September 2026 · creatordeal, Verhandeln als Creator, 2026. Die beiden erstgenannten Quellen sind englischsprachige Anbieter-Ratgeber, keine empirische Erhebung zu deutschen Honoraren. Prozent- und Eurobeispiele im Artikel sind ausdrücklich hypothetisch.
Häufige Fragen
Wann sollte ich meine Influencer-Preise erhöhen?
Wenn sich deine Leistungen, Ergebnisse, Kosten oder Nachfrage nachvollziehbar verändert haben und dein bisheriger Preis nicht mehr zur aktuellen Situation passt. Ein besonderer Anlass ist der Beginn eines neuen Buchungszyklus.
Wie viel Prozent Preiserhöhung sind normal?
Eine allgemein belegte Norm gibt es nicht. Lege die neue Rate anhand deiner realen Leistung, Kosten und vergleichbarer eigener Buchungen fest, statt eine willkürliche Prozentzahl zu übernehmen.
Muss ich Bestandskunden meinen alten Preis weiter anbieten?
Für künftige, neu vereinbarte Kooperationen kannst du neue Konditionen anbieten. Welche Bindungen aus bestehenden Vereinbarungen folgen, ist eine separate rechtliche Frage.
Wie begründe ich eine Preiserhöhung ohne Followerwachstum?
Mit realen Gründen wie höherem Produktionsaufwand, besserer Qualität, stärkerer Zielgruppenpassung, belegbaren Kampagnenergebnissen oder gestiegenen Kosten. Erfinde keine Performance-Vorteile.
Was, wenn eine Marke nach der Preiserhöhung absagt?
Bitte bei Bedarf um Feedback, prüfe, ob die neue Rate zu Nachfrage und Aufwand passt, und halte die Beziehung professionell offen. Eine einzelne Absage bedeutet nicht automatisch, dass dein Preis falsch ist.
CreatorOffice für Creator
Wenn dein Management CreatorOffice nutzt, wird aus neu verhandelten Konditionen ein klarer Deal mit Leistungen, Fristen, Briefing und deinem Anteil. Das hilft dir bei der Umsetzung, deine Preise legst du weiterhin selbst fest.




