Ein Jahresgespräch mit Creatorn ist ein fester Termin im Management, in dem ihr gemeinsam auf das vergangene Jahr schaut, Ziele für das nächste festlegt und die Preise überprüft. Es dauert etwa 75 Minuten, folgt einer festen Agenda und endet mit einem kurzen Protokoll, das beide Seiten bestätigen.
Im Alltag reden Talent-Manager und Creator viel, aber fast nur über den nächsten Deal. Wohin sich der Kanal entwickelt, welche Marken der Creator sich wünscht und ob die Preise noch passen, bleibt liegen. Das Jahresgespräch holt diese Fragen auf den Tisch. Hier findest du die Vorbereitung, einen Leitfaden mit Fragen, ein Rechenbeispiel für die Preisrunde und eine Vorlage für das Protokoll.
Warum ein Jahresgespräch mit Creatorn sich lohnt
Viele Trennungen zwischen Creator und Management kommen nicht plötzlich. Sie wachsen aus kleinen Enttäuschungen: ein Wunsch nach einer bestimmten Marke, der nie angesprochen wurde, Preise, die seit zwei Jahren gleich sind, das Gefühl, nicht gesehen zu werden. Wie du Creator langfristig bindest, beschreibt der Ratgeber Creator binden. Das Jahresgespräch ist der wichtigste feste Termin dafür.
Für die Agentur bringt es außerdem Planung: Wer weiß, welche Ziele seine Creator haben, kann Akquise gezielt ausrichten, Umsätze besser schätzen und früh erkennen, wenn jemand weniger arbeiten möchte.
Wann findet das Jahresgespräch statt?
Gute Zeitpunkte sind:
- November oder Anfang Dezember: Das Jahr ist fast vorbei, viele Marken planen gerade ihre Budgets für das erste Quartal.
- Jahrestag der Zusammenarbeit: wenn du viele Creator hast und die Gespräche über das Jahr verteilen willst.
- Nach einem großen Einschnitt: etwa nach Elternzeit oder einem Plattformwechsel, auch außerhalb des festen Termins.
Plane persönlich oder per Video, nicht am Telefon nebenbei. Nimm dir einen ruhigen Termin ohne Folgetermin direkt danach.
Die Vorbereitung: Zahlen des Jahres
Bereite eine Seite mit den Zahlen des Jahres vor. Schick sie dem Creator zwei Tage vor dem Termin, damit er nicht im Gespräch überrascht wird.
| Zahl | Was sie zeigt |
|---|---|
| Anzahl Kooperationen | Auslastung im Jahr |
| Honorarvolumen gesamt | Umsatz über das Management |
| Anteil des Creators | was beim Creator ankam |
| Durchschnitt je Kooperation | Preisniveau |
| Top-3-Marken nach Volumen | wichtigste Partner |
| Abgelehnte Anfragen und Gründe | Grenzen und Lücken |
| Stammkunden | Marken mit mehr als einer Kooperation |
| Offene Posten | Marken, die noch nicht gezahlt haben |
Rechenbeispiel: das Jahr von Jona Wiese
Die Zahlen sind frei gewählt, ohne Steuern, Provision 20 %.
- Kooperationen im Jahr: 14
- Honorarvolumen: 42.000 €
- Provision der Agentur: 20 % von 42.000 € = 8.400 €
- Anteil von Jona: 42.000 € − 8.400 € = 33.600 €
- Durchschnitt je Kooperation: 42.000 € ÷ 14 = 3.000 €
- Stammkunden: 3 Marken mit zusammen 7 Kooperationen
Drei Marken haben die Hälfte aller Kooperationen gebracht. Das ist eine gute Nachricht und ein Thema für das Gespräch: Wie lassen sich diese Beziehungen ausbauen?
Ablauf und Leitfaden: 75 Minuten in fünf Teilen
Teil 1: Einstieg (5 Minuten)
Dank für das Jahr, Ziel des Termins, Ablauf. Sag, dass am Ende ein Protokoll steht.
Teil 2: Rückblick (20 Minuten)
Geht die Zahlen gemeinsam durch. Fragen, die gut funktionieren:
- Welche Kooperation hat dir am meisten Spaß gemacht, welche am wenigsten?
- Bei welchem Deal hattest du das Gefühl, zu wenig bekommen zu haben?
- Welche Marke hat sich als schwierig erwiesen, etwa bei Freigaben oder Zahlung?
- Was hat sich auf deinem Kanal verändert: Zielgruppe, Formate, Reichweite?
Teil 3: Feedback an das Management (15 Minuten)
Dreh die Perspektive um. Frag offen:
- Wo hast du dich gut betreut gefühlt, wo allein gelassen?
- Wie zufrieden bist du mit Erreichbarkeit, Tempo und Auszahlungen?
- Was soll das Management im nächsten Jahr anders machen?
Hör zu, ohne dich zu verteidigen. Notiere jeden Punkt.
Teil 4: Ziele für das neue Jahr (20 Minuten)
Vereinbart höchstens drei Ziele. Mehr setzt niemand um. Beispiele:
- Umsatzziel: Honorarvolumen von 42.000 € auf 48.000 € steigern.
- Markenziel: zwei Kooperationen im Bereich Reisen, Wunschliste mit fünf Marken.
- Formatziel: eine YouTube-Integration pro Quartal testen.
Ergänze Grenzen: Wie viele Kooperationen pro Monat sind machbar? Welche Monate sind gesperrt? Hilfe für die Planung gibt der Ratgeber Kapazität von Creatorn planen.
Teil 5: Preise und Konditionen (15 Minuten)
Prüft die Preise für jedes Format. Drei Signale sprechen für eine Erhöhung:
- Mehr als die Hälfte der Anfragen wurde zum vollen Preis angenommen.
- Reichweite oder Interaktion sind deutlich gestiegen.
- Der Creator ist im Jahr ausgebucht gewesen.
Rechenbeispiel: die Preisrunde
Frei gewählte Zahlen. Jonas Reel kostet bisher 2.500 €. Er war im Herbst ausgebucht, die Reichweite ist gestiegen. Ihr vereinbart eine Erhöhung um 12 %:
- neuer Preis: 2.500 € × 1,12 = 2.800 €
- bei 10 Reels im Jahr: 10 × 300 € = 3.000 € mehr Honorar
- davon Anteil von Jona bei 20 % Provision: 3.000 € × 0,8 = 2.400 €
Bei sonst gleichem Volumen steigt das Honorar auf 42.000 € + 3.000 € = 45.000 €. Zum Umsatzziel von 48.000 € fehlen dann noch 48.000 € − 45.000 € = 3.000 €, also etwa eine weitere Kooperation zum Durchschnittspreis. Ob ein Ziel realistisch ist, siehst du so auf einen Blick. Wie du Erhöhungen gegenüber Marken begründest, steht im Ratgeber Influencer-Preise erhöhen.
Konditionen des Managementvertrags, etwa der Provisionssatz, gehören nur dann ins Jahresgespräch, wenn sich etwas ändern soll. Änderungen hältst du schriftlich fest.
Vorlage: das Protokoll nach dem Gespräch
Schick das Protokoll innerhalb von zwei Tagen und bitte um eine kurze Bestätigung.
Jahresgespräch Jona Wiese, 28.11.2026
Rückblick: 14 Kooperationen, 42.000 € Honorarvolumen, drei Stammkunden. Beste Kooperation: Reiseserie mit Marke Velune.
Feedback an das Management: schnellere Antwort bei Briefing-Fragen, Auszahlungstermin früher ankündigen.
Ziele 2027: 48.000 € Honorarvolumen; zwei Reise-Kooperationen (Wunschliste: fünf Marken im Anhang); eine YouTube-Integration pro Quartal.
Preise ab 01.01.2027: Reel 2.800 €, Story-Serie 1.400 €, YouTube-Integration auf Anfrage.
Grenzen: höchstens vier Kooperationen im Monat, August gesperrt.
Nächster Termin: kurzer Zwischenstand Ende Mai.
Checkliste für das Jahresgespräch
Typische Fehler im Jahresgespräch
Nur über Geld reden
Wer nur Zahlen bespricht, hört nichts über Wünsche und Frust. Plane Zeit für Feedback und Ziele ein.
Kritik abwehren
Rechtfertigungen beenden ein offenes Gespräch. Notiere die Punkte und antworte im Protokoll mit einer Maßnahme.
Zu viele Ziele
Zehn Ziele sind keine Ziele. Drei reichen.
Kein Protokoll
Was nicht aufgeschrieben ist, erinnert jeder anders. Das Protokoll ist die Grundlage für das nächste Gespräch.
Neue Preise nicht umsetzen
Neue Preise, die nicht in Rate Card und Angebote wandern, sind nach drei Wochen vergessen. Übernimm sie am selben Tag.
So hilft CreatorOffice beim Jahresgespräch
CreatorOffice ist ein Backoffice im Browser für Talent-Managements und Influencer-Agenturen. Für die Vorbereitung und Umsetzung sind diese Funktionen belegt:
- Kennzahlen: Umsatz, Provision und Creator-Anteil nach Zeitraum, Creator, Marke, Plattform und Herkunft.
- Anteil im Creator-Portal: Creator sehen ihren Anteil immer, auf Wunsch auch Budget, Provision und Zahlungsstand der Marke. So kommen die Zahlen im Gespräch nicht überraschend.
- Media-Kits je Creator: mit Kurzprofil, Themen, Kennzahlen mit Stand und auf Wunsch Preisen. Ab Tarif Team.
- Rechnungsübersicht: offene, überfällige und bezahlte Rechnungen, in jedem Tarif.
- Chat an der Kooperation: Absprachen aus dem Gespräch bleiben sichtbar.
- Gemeinsamer Kalender: für Termine wie den Zwischenstand im Mai.
Mehr zeigt die Seite Talentmanagement-Software für Creator-Managements. Was in welchem Tarif steckt, steht bei den Tarifen.
Häufige Fragen
Wie lange dauert ein Jahresgespräch mit einem Creator?
Plane etwa 75 Minuten: Einstieg, Rückblick, Feedback an das Management, Ziele und Preise. Bei Creatorn mit vielen Kooperationen kann es länger dauern.
Welche Zahlen gehören in die Vorbereitung?
Anzahl der Kooperationen, Honorarvolumen, Anteil des Creators, Durchschnitt je Kooperation, wichtigste Marken, abgelehnte Anfragen und offene Posten. Eine Seite reicht.
Sollte ich im Jahresgespräch die Provision ansprechen?
Nur, wenn sich etwas ändern soll, etwa bei einer Staffel oder neuen Aufgaben. Änderungen am Managementvertrag hältst du schriftlich fest.
Wie oft sollten die Preise eines Creators steigen?
Eine feste Regel gibt es nicht. Prüfe die Preise mindestens einmal im Jahr. Hohe Annahmequoten, gestiegene Reichweite und volle Auslastung sprechen für eine Erhöhung.
Was tun, wenn der Creator im Gespräch Unzufriedenheit äußert?
Zuhören, notieren und konkrete Maßnahmen ins Protokoll schreiben. Ein Zwischenstand nach einigen Monaten zeigt, ob sich etwas verbessert hat.
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