Bevor eine Marke bucht, will sie die Statistiken sehen: Wie viele Aufrufe haben die letzten Reels, wie groß ist der Anteil aus dem DACH-Raum, wie alt ist die Community? Nach der Kampagne will sie wissen, was der Beitrag erreicht hat. In beiden Fällen kommen die Zahlen fast immer als Screenshot aus der App des Creators, denn nur der Creator hat Zugriff auf seine Insights.
Für Agenturen und Managements ist das Alltag, und trotzdem gehen hier viele Stunden verloren: unscharfe Bilder, falscher Zeitraum, fehlende Slides, Nachfragen per Chat. Dieser Artikel zeigt, welche Screenshots du anforderst, wie du die Anfrage formulierst und woran du erkennst, dass mit einem Bild etwas nicht stimmt.
Zwei Anlässe, zwei verschiedene Anfragen
Vor der Buchung geht es um das Profil: Für wen lohnt sich der Creator? Die Marke braucht Zahlen über einen Zeitraum, typischerweise die letzten 30 oder 90 Tage, und vor allem die Zusammensetzung der Zielgruppe. Nach der Veröffentlichung geht es um einzelne Beiträge: Was hat genau dieser Beitrag erreicht? Hier zählen die Werte je Reel, Video oder Story-Slide zu festen Zeitpunkten.
Wer beide Anfragen vermischt, bekommt beides halb. Trenne sie deshalb auch in der Ablage: Profilstatistiken gehören zum Creator und werden regelmäßig erneuert, etwa für das Media-Kit. Beitragsstatistiken gehören zur Kooperation.
| Anlass | Ansichten | Zeitraum |
|---|---|---|
| Vor der Buchung | Überblick über Aufrufe und erreichte Konten, Zielgruppe nach Ländern, Städten, Alter und Geschlecht, Aufrufe der letzten vergleichbaren Beiträge | letzte 30 oder 90 Tage, Datum sichtbar |
| Nach einem Reel oder Video | Aufrufe, erreichte Konten, Interaktionen, Wiedergabezeit falls vorhanden, Anteil Nicht-Follower | fester Abruf, zum Beispiel nach 7 Tagen |
| Nach einer Story | je Slide Aufrufe, erreichte Konten, Link-Klicks, Sticker-Taps | am Tag nach Ablauf |
| Bei bezahlter Nutzung | Werte der Anzeige getrennt vom organischen Beitrag | laut Vereinbarung, meist von der Marke |
Was Marken vor der Buchung wirklich sehen wollen
Die Followerzahl steht auf dem Profil, dafür braucht niemand einen Screenshot. Gefragt sind die Werte, die nur der Creator sieht. In der DACH-Praxis entscheiden vier Punkte über die Einordnung: der Anteil der Zuschauer aus dem DACH-Raum, Alter und Geschlecht der Community, die Nische und die typischen Aufrufe der letzten vergleichbaren Inhalte. Ein Profil mit 40.000 Followern und einem hohen DACH-Anteil kann für eine Marke wertvoller sein als eines mit 120.000, dessen Zuschauer überwiegend aus anderen Ländern kommen.
Plattformen benennen ihre Kennzahlen gelegentlich um. Instagram stellt inzwischen Aufrufe als zentrale Kennzahl über alle Formate in den Vordergrund. Bitte deshalb um die Ansicht, nicht um einen Begriff, und lass dir im Zweifel zeigen, wie die Kennzahl auf dem Gerät des Creators heißt.
Wenn Zahlen auffällig sind, etwa eine Zielgruppe überwiegend aus Ländern, in denen der Creator nie Inhalte veröffentlicht, ist das ein Anlass für ein Gespräch, nicht für ein Urteil. Mehr dazu steht im Artikel Fake-Follower erkennen.
Die Anfrage an den Creator
Eine präzise Anfrage spart Rückfragen. Sie nennt Beitrag, Ansicht, Zeitpunkt und Format der Lieferung:
Hallo [Name],
für den Bericht an [Marke] brauche ich von deinem [Reel vom Datum] bitte folgende Screenshots, abgerufen am [Datum]:
1. die Übersicht mit Aufrufen, erreichten Konten und Interaktionen,
2. die Ansicht zur Zielgruppe des Beitrags, falls vorhanden,
3. bei Stories jede Slide einzeln mit Link-Klicks.
Bitte schick die Bilder unbearbeitet und ohne Zuschnitt. Am einfachsten ist eine kurze Bildschirmaufnahme, in der du vom Profil zum Beitrag und in die Statistik wischst.
Danke dir!
Feste Abrufzeitpunkte
Ein Reel sammelt in den ersten Tagen die meisten Aufrufe, wächst danach aber weiter. Wer bei einem Creator nach zwei Tagen und beim nächsten nach drei Wochen abruft, vergleicht Äpfel mit Birnen. Lege deshalb für jede Kampagne einen Stichtag fest, zum Beispiel sieben Tage nach Veröffentlichung, und nenne ihn im Bericht.
Für Stories gilt der Tag nach Ablauf. Die Details zu Link-Klicks stehen im Artikel Story-Link-Klicks messen. Wenn die Marke einen zweiten Stand nach 30 Tagen möchte, ist das eine eigene Anfrage, die im Angebot stehen sollte.
Woran du unvollständige oder veränderte Screenshots erkennst
Die allermeisten Creator schicken ehrliche Zahlen. Ärger entsteht eher durch Missverständnisse als durch Absicht. Trotzdem lohnt sich ein kurzer Blick, bevor ein Bild an die Marke geht:
- Kein Datum, kein Beitrag sichtbar. Ohne Bezug lässt sich nicht prüfen, ob die Zahl zum gebuchten Beitrag gehört.
- Zuschnitt genau um die Zahl. Abgeschnittene Ränder nehmen den Zusammenhang. Bitte um das ganze Bild.
- Uneinheitliche Schrift oder Abstände. Eine Ziffer, die anders aussieht als der Rest, ist ein Grund für eine Rückfrage.
- Werte passen nicht zusammen. Mehr Interaktionen als erreichte Konten oder Link-Klicks über der Zahl der Aufrufe sind kaum plausibel.
- Zeitraum stimmt nicht. Statistiken über 90 Tage statt über den Beitrag ergeben schönere, aber falsche Zahlen.
Bei Unklarheiten hilft eine freundliche Bitte um die Bildschirmaufnahme. Wer nichts zu verbergen hat, schickt sie in zwei Minuten. Bleibt etwas offen, teile der Marke nur die Werte, die du belegen kannst, und schreib dazu, was fehlt.
Ablage und Datenschutz
Insights-Screenshots enthalten neben Zahlen manchmal auch Profilbilder oder Namen von Konten, die interagiert haben. Bevor ein Bild an die Marke geht, prüfe, ob solche Angaben sichtbar sind, und schneide sie weg oder mach sie unkenntlich, ohne die Kennzahlen zu verändern. Die Statistik selbst ist eine Geschäftsinformation des Creators. Teile sie nur mit der Marke, für die sie bestimmt ist, und nur im vereinbarten Umfang.
Für die Ablage bewährt sich eine einfache Struktur: je Kooperation ein Ordner oder ein Bereich, darin je Beitrag die Screenshots mit Abrufdatum im Dateinamen. Wie eine sinnvolle Ordnung für die ganze Agentur aussieht, steht im Artikel Ablage in der Influencer-Agentur. Aus den abgelegten Werten entsteht dann der Kampagnenbericht.
Checkliste
Häufige Fragen
Welche Insights sollte ich vor einer Buchung anfordern?
Den Überblick über Aufrufe und erreichte Konten der letzten 30 oder 90 Tage, die Zielgruppe nach Ländern, Alter und Geschlecht und die Aufrufe der letzten vergleichbaren Beiträge.
Wann rufe ich die Ergebnisse eines Reels ab?
Zu einem festen Stichtag, etwa sieben Tage nach der Veröffentlichung. Nenne den Stichtag im Bericht, damit Werte verschiedener Creator vergleichbar sind.
Wie erkenne ich bearbeitete Screenshots?
Achte auf fehlendes Datum, enge Zuschnitte, abweichende Schrift und unplausible Verhältnisse. Bei Zweifeln bitte um eine kurze Bildschirmaufnahme vom Profil bis zur Statistik.
Darf ich Insights-Screenshots an Marken weitergeben?
Wenn der Creator zugestimmt hat und es zur Kooperation gehört. Entferne vorher Namen oder Profilbilder anderer Konten und teile nur den vereinbarten Umfang.
Reichen Screenshots oder brauche ich einen Zugriff auf das Konto?
Für Berichte reichen vollständige Screenshots oder eine Bildschirmaufnahme. Einen Zugang zum Konto des Creators braucht die Agentur dafür nicht.
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