Einen Podcast-Sponsoring-Preis berechnen kannst du sinnvoller mit deinen eigenen Daten als mit einer angeblich allgemeinen Preisliste. Zwei Podcasts mit ähnlich vielen Abrufen können unterschiedlich viel Arbeit mit einer Kooperation haben: Der eine spielt einen fertigen Spot ein, der andere entwickelt einen individuellen Host-Read, stimmt zwei Fassungen ab und liefert nach Veröffentlichung einen Nachweis.
Für deine Kalkulation brauchst du deshalb zwei getrennte Ebenen: deinen Produktionsaufwand und den Wert des konkreten Werbeplatzes in deinem Format. Erst danach kommen Zusatzleistungen und mögliche Pakete über mehrere Folgen hinzu.
Podcast-Sponsoring-Preis berechnen: trenne Zeitwert und Werbeplatz
Beginne mit deinem Zeitwert. Er beantwortet eine einfache Frage: Was kostet die Arbeit, die unabhängig von der Reichweite entsteht?
Schreib für eine typische Kooperation alle Schritte auf, die tatsächlich anfallen. Zum Beispiel:
| Arbeitsschritt | Möglicher Aufwand |
|---|---|
| Briefing lesen und Rückfragen sammeln | eigene Zeit |
| Host-Read konzipieren | eigene Zeit |
| Aufnahme | eigene Zeit |
| Freigaberunde | eigene Zeit |
| Einbau in die Folge | eigene Zeit |
| Nachweis und Reporting | eigene Zeit |
Deinen persönlichen Stundensatz bestimmst du selbst. Dabei kann der geplante Stundensatz-Rechner später als Hilfsmittel dienen; bis dahin kannst du deinen Wert mit einer eigenen Tabelle berechnen.
Der Werbeplatz ist eine zweite Ebene. Hier kannst du deine realen Abrufdaten einbeziehen, ohne so zu tun, als gäbe es einen universellen Standardpreis. Entscheide vorher, welches eigene Modell du verwenden möchtest. Zum Beispiel kannst du einen festen Basiswert für eine definierte Platzierung festlegen oder aus deiner internen Preislogik einen Betrag pro realem Abrufblock ableiten. Wichtig ist, dass du diese Methode für dich nachvollziehen kannst und nicht als allgemeine Branchenregel ausgibst.

Rechenbeispiel mit frei gewählten Zahlen
Das folgende Beispiel nutzt frei gewählte Zahlen, keine Marktpreise, alle Beträge ohne Steuern. Es ist keine Preisempfehlung. Podcast „Werkstattgespräche“ kalkuliert einen Host-Read in einer Folge.
Der Creator setzt für sich einen Stundensatz von 80 € an. Der erwartete Arbeitsaufwand wird so geschätzt:
| Arbeit | Zeit | Rechnung |
|---|---|---|
| Briefing + Rückfragen | 0,5 Std. | 40 € |
| Textkonzept | 0,75 Std. | 60 € |
| Aufnahme + Auswahl | 0,5 Std. | 40 € |
| Freigabe | 0,5 Std. | 40 € |
| Einbau + Nachweis | 0,5 Std. | 40 € |
| Zeitwert | 2,75 Std. | 220 € |
Für den eigentlichen Werbeplatz nutzt der Creator ein eigenes internes Modell und setzt dafür in diesem Beispiel 650 € an. So kommt er darauf: Der Mittelwert seiner letzten acht regulären Folgen liegt bei 26.000 Abrufen nach 30 Tagen. Er legt für sich einen Betrag von 25 € je 1.000 Abrufe fest. 26 × 25 € = 650 €. Beide Werte sind frei gewählt und kein Richtwert. Dein eigenes Modell kann anders aussehen.
Damit ergibt sich:
220 € Zeitwert + 650 € Werbeplatz = 870 € interner Ausgangswert.
Kommt zusätzlich ein Show-Notes-Link mit gesonderter Abstimmung hinzu, den der Creator intern mit 80 € kalkuliert, läge der frei gewählte Gesamtwert bei:
870 € + 80 € = 950 €.
Das Beispiel zeigt vor allem die Trennung. Wenn du nur einen Gesamtbetrag im Kopf hast, weißt du bei Zusatzwünschen nicht, welcher Teil eigentlich größer wird.
Nutze Reichweitendaten nur so, wie du sie wirklich messen kannst
Für Podcastwerbung ist es verlockend, eine einzelne große Zahl als Grundlage zu verwenden. Besser ist ein Datensatz, der zum konkreten Werbeplatz passt.
Wenn du zum Beispiel eine Integration in einer neuen regulären Episode verkaufst, kannst du die letzten vergleichbaren Folgen ansehen. Lege einen einheitlichen Beobachtungszeitraum fest, etwa die ersten 30 Tage nach Veröffentlichung, und nutze deine tatsächlichen Werte. Bei Sonderfolgen, viralen Ausreißern oder saisonalen Episoden solltest du überlegen, ob sie für die kommende Folge wirklich vergleichbar sind.
Du kannst dir intern eine Tabelle führen:
| Folge | Abrufe nach deinem gewählten Zeitraum | Besonderheit |
|---|---|---|
| Folge A | eigene Zahl | reguläre Episode |
| Folge B | eigene Zahl | Gastfolge |
| Folge C | eigene Zahl | reguläre Episode |
| Folge D | eigene Zahl | Sonderthema |
Aus diesen Daten entwickelst du deine Preislogik. Du musst sie dem Sponsor nicht vollständig offenlegen. Aber du solltest selbst erklären können, warum du einen Werbeplatz höher oder niedriger kalkulierst.
Wenn du diese Daten später im Podcast-Media-Kit zeigst, gehört immer der Messkontext dazu.
Kalkuliere mehrere Folgen nicht einfach als Einzelpreis mal Anzahl
Bei einer Serie können Arbeitsschritte wiederholt oder eingespart werden. Vielleicht bleibt das Grundbriefing gleich, aber jede Episode braucht einen eigenen Einstieg. Vielleicht wird nur einmal ein Text freigegeben, während drei Aufnahmen entstehen. Oder der Sponsor verlangt für jede Folge eine neue Freigabe.
Deshalb baust du ein Paket aus seinen Bestandteilen.
Frei gewähltes Beispiel für drei Folgen:
- einmalige Vorbereitung und Briefing: 120 €
- drei Werbeplätze zu je 600 €: 1.800 €
- drei individuelle Aufnahmen zu je 90 €: 270 €
- einmaliger Abschlussnachweis: 60 €
Gesamt: 120 € + 1.800 € + 270 € + 60 € = 2.250 €.
Wenn du anschließend einen Paketpreis anbieten möchtest, kannst du bewusst entscheiden, ob du einen Teil des einmaligen Aufwands anders verteilst. Ein Rabatt ist keine Pflicht. Die Rechnung zeigt dir lediglich, an welcher Stelle du Spielraum hättest, ohne deine eigene Logik zu verlieren.
Zusatzleistungen brauchen eine eigene Entscheidung
Nicht jeder Wunsch verändert den Preis. Aber du solltest ihn zumindest prüfen. Typische Zusatzpunkte sind:
- weitere Folge,
- zusätzliche Textfassung,
- neue Aufnahme nach einer nachträglichen Briefingänderung,
- zusätzlicher Link in den Show Notes,
- Verlängerung in einem weiteren Kanal,
- umfangreicheres Reporting.
Statt automatisch „inklusive“ zu sagen, stellst du bei jedem Punkt zwei Fragen: Entsteht zusätzliche Arbeit? Verändert sich die gebuchte Leistung? Wenn eine Antwort ja lautet, gehört der Punkt in deine Kalkulation.
Wie du aus dem berechneten Wert in ein Gespräch gehst, zeigt Honorar mit Marken verhandeln.
Gegenangebot, wenn das Budget nicht zum Wunschumfang passt
Angenommen, eine Marke fragt drei Host-Reads an, nennt aber ein Budget, das nach deiner eigenen Rechnung nur für zwei Folgen passt. Du hast mehrere Möglichkeiten. Die unklarste wäre, deinen Preis ohne Erklärung zu halbieren.
Besser ist ein Gegenangebot mit verändertem Umfang:
„Danke für die Budgetinfo. Für drei individuell eingesprochene Integrationen inklusive Freigabe liegt mein kalkulierter Umfang über eurem Rahmen. Innerhalb eures Budgets kann ich euch zwei Folgen mit jeweils einem Host-Read und anschließendem Nachweis anbieten. Falls drei Folgen fest eingeplant sind, kann ich euch alternativ den entsprechenden Gesamtpreis schicken.“
Damit verhandelst du nicht gegen dich selbst, sondern über Leistung.
Eine weitere Option ist, Zusatzleistungen zu entfernen. Wenn der Sponsor beispielsweise auf eine separate Textfreigabe verzichten kann und nur die final vereinbarten Kernbotschaften liefert, kann sich dein Aufwand reduzieren. Ob das für deinen Produktionsprozess passt, entscheidest du selbst.
Prüfe nach der Kampagne deine Annahmen
Kalkulation verbessert sich, wenn du nach realen Aufträgen zurückblickst. Notiere, wie viel Zeit die wichtigsten Schritte tatsächlich gebraucht haben. Vielleicht waren 30 Minuten für die Aufnahme realistisch, aber die Freigabe dauerte jedes Mal deutlich länger. Dann passt du die nächste Kalkulation an.
Du brauchst dafür keine komplizierte Zeiterfassung. Eine kurze Nachkalkulation mit „geplant / tatsächlich / Grund für Abweichung“ reicht, um systematisch besser zu werden.
Häufige Fragen
Gibt es einen festen Preis pro Podcast-Download?
Eine allgemeine Zahl wäre für deinen konkreten Auftrag zu grob. Dein Preis kann sich aus eigener Reichweite, Format, Produktionsaufwand und Zusatzleistungen zusammensetzen. Verwende deine realen Daten und ein Modell, das du selbst nachvollziehen kannst.
Welche Arbeitszeit sollte ich in die Kalkulation aufnehmen?
Nicht nur die Aufnahme. Zähle auch Briefing, Rückfragen, Textarbeit, Freigabe, Einbau und Reporting, sofern diese Schritte im Auftrag vorkommen. Dadurch siehst du den tatsächlichen Produktionsaufwand.
Wie berechne ich ein Sponsoring über mehrere Folgen?
Trenne einmalige Aufgaben von wiederkehrenden Leistungen. Danach addierst du die Werbeplätze und individuellen Produktionsschritte. So erkennst du, ob ein Paket tatsächlich weniger Arbeit verursacht oder nur mehr Umfang enthält.
Muss ich meine komplette Kalkulation an den Sponsor schicken?
Nein. Intern brauchst du eine nachvollziehbare Rechnung. Extern reicht ein klares Angebot, in dem Leistung, Anzahl der Folgen, Zusatzpunkte und Gesamtpreis eindeutig stehen.
Was mache ich, wenn das Budget weit unter meiner Rechnung liegt?
Verändere zuerst den Umfang: weniger Folgen, weniger Zusatzleistungen oder ein kleineres Format. Wenn der Auftrag trotzdem nicht zu deinen Bedingungen passt, kannst du ihn ablehnen. Ein Gegenangebot sollte zeigen, welche Leistung innerhalb des Budgets möglich ist.
CreatorOffice für Creator
Wenn dein Management CreatorOffice verwendet, siehst du gebuchte Podcast-Kooperationen im Creator-Portal inklusive Dealumfang, Fristen, Briefing, Vertrag und deinem Anteil. Die tatsächliche Auszahlung bleibt beim Management; CreatorOffice führt selbst keine Überweisung aus. Deinen Zugang erhältst du per Einladung deines Managements. Einen Überblick gibt die Seite Für Creator.


