Bei einem Shitstorm bei Influencern zählt die erste Stunde: Lage einschätzen, geplante Postings anhalten, den Creator erreichen und betroffene Marken informieren, bevor sie es aus den Kommentaren erfahren. Ein schriftlicher Krisenplan, der Rollen, Kontakte und Vorlagen enthält, sorgt dafür, dass das Management in dieser Stunde handelt statt diskutiert.
Viele Krisen werden nicht durch den Auslöser groß, sondern durch eine schnelle, unüberlegte Reaktion oder durch Schweigen, wo eine Erklärung nötig wäre. Dieser Ratgeber zeigt dir, wie du die Lage in drei Stufen einordnest, was in den ersten 60 Minuten passiert, wie du mit Marken umgehst und wie du den Creator schützt. Am Ende steht ein Krisenplan zum Ausfüllen.
Ist das schon ein Shitstorm? Drei Stufen
Nicht jede negative Welle ist eine Krise. Eine klare Einordnung verhindert Überreaktionen:
| Stufe | Merkmale | Reaktion |
|---|---|---|
| 1: Kritik | einzelne negative Kommentare, sachlich oder emotional, kein Wachstum | beobachten, sachlich antworten oder ignorieren |
| 2: Welle | viele Kommentare in kurzer Zeit, erste Beiträge anderer Accounts, Hashtag entsteht | Krisenteam informieren, geplante Postings prüfen, Marken vorwarnen |
| 3: Krise | Medienberichte, Marken melden sich, Vorwürfe mit rechtlicher oder moralischer Tragweite | Krisenplan vollständig, Statement, gegebenenfalls Kanzlei |
Halte fest, woran du die Stufe erkennst. Das schützt vor Panik bei Stufe 1 und vor Zögern bei Stufe 3.
Die ersten 60 Minuten: was zu tun ist
Minute 0 bis 15: anhalten und sammeln
- Geplante Postings stoppen: Alle bezahlten Beiträge der nächsten Tage pausieren, auch Stories. Ein fröhliches Werbe-Reel mitten in der Krise schadet Creator und Marke.
- Fakten sichern: Screenshots des Auslösers und der wichtigsten Reaktionen mit Datum und Uhrzeit.
- Creator erreichen: anrufen, nicht schreiben. Fragen: Was ist passiert? Ist der Vorwurf zutreffend? Wie geht es dir?
Minute 15 bis 40: einschätzen
- Stufe festlegen: Kritik, Welle oder Krise?
- Betroffene Kooperationen auflisten: Welche Marken haben laufende Deals, welche Beiträge stehen an, welche Inhalte sind gerade bei der Marke zur Freigabe?
- Zuständigkeiten klären: Wer spricht mit dem Creator, wer mit den Marken, wer beobachtet die Kanäle?
Minute 40 bis 60: informieren
- Marken vorinformieren: kurz, sachlich, mit dem, was bekannt ist, und der Zusage, sich zu melden.
- Keine öffentliche Reaktion ohne Abstimmung: Der Creator kommentiert nicht spontan, auch nicht in Stories.
Marken informieren: Vorlage für die erste Nachricht
Marken mit laufenden Kooperationen sollten zuerst vom Management hören. Eine Vorlage für Stufe 2 oder 3:
Betreff: Kurze Information zu Mara Linden
Guten Tag Frau Berg,
Sie werden es vielleicht schon gesehen haben: Seit heute Mittag gibt es auf Maras Kanälen viel Kritik zu einem Beitrag vom Wochenende. Wir prüfen die Lage gerade gemeinsam mit Mara.
Vorsorglich haben wir alle für Ihre Kampagne geplanten Beiträge bis auf Weiteres angehalten. Die Freigabe des Entwurfs für nächste Woche ist pausiert.
Wir melden uns bis morgen 12 Uhr mit einer Einschätzung und einem Vorschlag, wie es weitergeht. Für Rückfragen erreichen Sie mich direkt unter dieser Nummer.
Beste Grüße Alex Nord, Studio Nordlicht
Versprich in der ersten Nachricht nichts, was du nicht halten kannst. Nenne einen Zeitpunkt für die nächste Meldung und halte ihn ein.
Das Statement: wann, wer, was
Ein öffentliches Statement ist nicht immer nötig. Bei Stufe 1 kann es eine Kritik erst größer machen. Bei Stufe 3 erwarten Publikum und Marken eine Reaktion. Grundregeln:
- Erst Fakten, dann Worte. Lieber eine Stunde später und richtig als sofort und falsch.
- Der Creator spricht selbst, in eigenen Worten, nicht wie eine Pressemitteilung.
- Kurz und konkret: Was ist passiert, was bedauert der Creator, was ändert sich?
- Keine Gegenangriffe, keine Relativierung, kein „falls sich jemand verletzt fühlt“.
- Ein Kanal zuerst: dort, wo die Kritik entstanden ist.
Ein mögliches Gerüst, wenn ein Fehler vorliegt:
„Ich habe am Wochenende etwas gepostet, das viele von euch verletzt hat. Das war falsch, und es tut mir leid. Ich habe den Beitrag gelöscht und nehme mir die Kritik zu Herzen. In den nächsten Tagen poste ich keine Werbung und melde mich, wenn ich dazu mehr sagen kann.“
Geht es um Vorwürfe, die nicht stimmen, um Beleidigungen oder um Falschbehauptungen, sprich zuerst mit einer Kanzlei, bevor sich der Creator öffentlich äußert.
Den Creator schützen
Ein Shitstorm trifft einen Menschen, nicht nur einen Kanal. Gute Managements kümmern sich auch darum:
- Kommentare filtern oder moderieren lassen, damit der Creator nicht jede Beleidigung selbst liest.
- Pause anbieten: keine Postings, keine Termine für ein paar Tage.
- Beistand organisieren: Hinweis auf professionelle Unterstützung, wenn die Belastung groß ist.
- Bedrohungen ernst nehmen: Drohungen dokumentieren und mit einer Kanzlei oder der Polizei klären.
- Kontakt halten: täglich kurz melden, auch wenn es nichts Neues gibt.
Nach der Krise: Kooperationen und Verträge
Nach einigen Tagen stellt sich die Frage, wie es mit den Kooperationen weitergeht. Mögliche Wege je Marke:
- Fortsetzen wie geplant, wenn die Marke einverstanden ist.
- Verschieben, etwa um einige Wochen, mit neuem Zeitplan.
- Anpassen, etwa andere Inhalte oder weniger Beiträge.
- Beenden, wenn eine Seite nicht weitermachen will.
Viele Verträge enthalten Klauseln für solche Fälle, etwa eine Moralklausel. Was dort typischerweise steht, beschreibt der Ratgeber Moralklausel im Influencer-Vertrag. Ob eine Marke kündigen oder Geld zurückfordern darf, klärst du mit deiner Kanzlei, nicht im Gespräch mit der Marke.
Halte jede Vereinbarung schriftlich fest: neuer Termin, geänderte Leistungen, geänderte Rechnung. Wie du Absagen und Ausfälle abrechnest, zeigt der Ratgeber Ausfallhonorar.
Der Krisenplan zum Ausfüllen
Prüfe den Plan zweimal im Jahr und spiele ihn einmal mit dem Team durch.
Typische Fehler im Shitstorm
Sofort reagieren
Eine Antwort in den Kommentaren in der ersten Minute ist selten gut. Sammle zuerst Fakten.
Werbung läuft weiter
Ein geplanter Werbebeitrag mitten in der Krise ärgert Publikum und Marke. Stoppe alles, was geplant ist.
Marken erfahren es von außen
Wer von der eigenen Kampagnenpartnerin nichts hört, verliert Vertrauen. Melde dich zuerst.
Den Creator allein lassen
Ein Creator ohne Unterstützung reagiert oft impulsiv. Sei erreichbar.
Keine Nachbesprechung
Ohne Rückblick passiert derselbe Fehler wieder. Sprecht nach zwei Wochen über Auslöser und Ablauf.
So hilft CreatorOffice im Ernstfall
CreatorOffice ist ein Backoffice im Browser für Talent-Managements und Influencer-Agenturen. In der Krise helfen diese Funktionen:
- Kalender: Entwurfsfristen und Posting-Termine aller Kooperationen, für Team und Creator.
- Marken mit Ansprechpersonen und Zuständigkeit: etwa für Vertrag, Briefing oder Freigabe, in jedem Tarif.
- Freigabe-Link für die Marke: zeitlich begrenzt und jederzeit zurückziehbar, ab Tarif Team.
- Pitch-Listen und Media-Kits: per Link, jederzeit widerrufbar, ab Tarif Team.
- Chat mit Creatorn an der Kooperation: Absprachen bleiben an einer Stelle.
- Mahnsperre: wenn mit einer Marke eine besondere Regelung zur Zahlung vereinbart ist.
Mehr dazu auf der Seite Influencer-Kooperationen verwalten. Was in welchem Tarif steckt, steht bei den Tarifen.
Häufige Fragen
Was macht ein Management bei einem Shitstorm zuerst?
Geplante Postings stoppen, Fakten sichern, den Creator anrufen und die Lage einschätzen. Danach betroffene Marken informieren, bevor sie es von außen erfahren.
Muss der Creator immer ein Statement veröffentlichen?
Nein. Bei vereinzelter Kritik kann ein Statement die Aufmerksamkeit erst erhöhen. Bei einer echten Krise mit Medienberichten oder Reaktionen der Marken ist eine kurze, ehrliche Erklärung meist nötig.
Darf eine Marke die Kooperation nach einem Shitstorm beenden?
Das hängt vom Vertrag ab, etwa von einer Moralklausel oder Kündigungsregeln. Klär das mit deiner Kanzlei, bevor du Zusagen machst.
Wie informiere ich Marken während eines Shitstorms?
Kurz, sachlich und schnell: was bekannt ist, was bereits pausiert wurde und wann die nächste Meldung kommt. Halte den angekündigten Zeitpunkt ein.
Wie schütze ich den Creator in einer Krise?
Kommentare moderieren lassen, eine Pause anbieten, täglich Kontakt halten und bei Drohungen Kanzlei oder Polizei einschalten. Bei großer Belastung auf professionelle Unterstützung hinweisen.
CreatorOffice kostenlos testen
Leg die laufenden Kooperationen deiner Creator mit Posting-Terminen und Ansprechpersonen an, damit du im Ernstfall alles an einer Stelle findest. Teste CreatorOffice 14 Tage kostenlos im Tarif deiner Wahl.

