Ein YouTube Media Kit erstellen bedeutet nicht, möglichst viele Zahlen auf wenige Seiten zu packen. Eine Marke soll nach dem Lesen drei Dinge verstehen: Worum geht es auf deinem Kanal, welche Menschen erreichst du mit welchen Inhalten und wie könnte eine Zusammenarbeit konkret aussehen?
Gerade bei langen Videos sind einzelne Formate und passende Referenzvideos oft wichtiger als eine isolierte Gesamtzahl. Deshalb baust du dein Media-Kit so auf, dass Kanalprofil, Zielgruppe, Video-Leistung und Sponsoring-Möglichkeiten miteinander verbunden sind.
YouTube Media Kit erstellen: fünf Seiten reichen als Denkmodell
Du musst nicht exakt fünf Seiten bauen. Die Gliederung hilft dir aber, nichts Wesentliches zu vergessen:
- Kanalprofil: Wer bist du, worüber veröffentlichst du und welche Formate kehren wieder?
- Zielgruppe: Welche belegbaren Merkmale helfen einer Marke, deine Zuschauer einzuordnen?
- Video-Kennzahlen: Welche aktuellen Werte zeigen die Leistung deiner relevanten Formate?
- Sponsoring-Formate und Arbeitsproben: Was kannst du anbieten und wie sieht das in deinem Content aus?
- Kontakt und nächster Schritt: Wie erreicht man dich und welche Information brauchst du für ein Angebot?
Diese Reihenfolge führt von „Wer ist dieser Kanal?“ zu „Wie könnte eine Zusammenarbeit aussehen?“. Das ist hilfreicher als ein Dokument, das mit einer großen Zahl beginnt und erst später erklärt, wofür der Kanal eigentlich steht.
Seite 1: Kanalprofil ohne austauschbare Selbstbeschreibung
Vermeide Sätze wie „Ich liebe es, meine Community zu inspirieren“. Sie sagen wenig über dein Format aus. Beschreibe stattdessen den Kanal so, dass eine Person auf Markenseite nach einem Absatz weiß, was Zuschauer bei dir erwarten.
Ein fiktives Beispiel:
„Auf meinem Kanal zerlege ich komplexe Alltagsprojekte in nachvollziehbare Schritte. Meine Videos begleiten jeweils ein konkretes Vorhaben von der Planung bis zum Ergebnis. Wiederkehrende Reihen sind kleine Wohnprojekte, Organisation und praktische Tests im Alltag.“
Danach nennst du zwei oder drei feste Videoformate. Das schafft sofort einen Bezug zu möglichen Integrationen. Wer mehr zur allgemeinen Struktur eines Creator-Dokuments braucht, findet sie unter Media-Kit erstellen.

Seite 2: Zielgruppe nur mit Daten, die du wirklich belegen kannst
Nimm nicht jedes verfügbare Merkmal auf. Wähle die Informationen, die ein Sponsor zur Einordnung deines Kanals tatsächlich gebrauchen kann. Das können Altersgruppen, Länder oder andere verfügbare Zuschauerdaten sein. Wichtig ist, dass du den Stand nennst und keine Eigenschaften dazuerfindest, die dir die Plattform nicht zeigt.
Formuliere Zahlen nicht werblich um. Wenn du eine Verteilung siehst, zeigst du die Verteilung. Du musst daraus keine Aussage wie „kaufkräftige Zielgruppe“ machen, wenn du dafür keinen Beleg hast.
Wenn du mit Engagement-Werten arbeitest, kannst du für deine eigene Einordnung den Rechner Engagement-Rate berechnen nutzen. Im Media-Kit erklärst du aber immer, auf welche Inhalte und welchen Zeitraum sich ein Wert bezieht.
Seite 3: Video-Kennzahlen mit Kontext statt Zahlenwand
Die folgenden Zahlen sind frei gewählt und dienen nur als Beispiel für die Darstellung.
Angenommen, die fiktive Creatorin Nora West hat drei Videos, die zu einer geplanten Kooperation im Bereich Arbeitsplatz passen:
| Video | Aufrufe nach festem Betrachtungszeitpunkt | Wiedergabedauer | Relevanz für Sponsor |
|---|---|---|---|
| Kleines Arbeitszimmer neu planen | 46.000 | 8:12 min | sehr ähnliches Thema |
| Schreibtisch neu organisieren | 39.500 | 7:48 min | ähnliche Nutzungssituation |
| Eine Woche produktiver arbeiten | 52.300 | 9:05 min | ähnliche Zielgruppe, anderes Format |
Alle Zahlen sind frei gewählt. Das Beispiel zeigt nur die Logik: Statt eine riesige Sammlung an Kanalwerten zu zeigen, stellst du drei passende Videos zusammen und schreibst dazu, warum sie für die geplante Zusammenarbeit relevant sind.
Du kannst zusätzlich größere Kanalwerte zeigen. Sie sollten aber nicht den Platz verdrängen, den konkrete Vergleichsvideos brauchen.
Seite 4: Sponsoring-Formate wie Leistungen beschreiben
Eine Marke sollte nicht übersetzen müssen, was du unter deinen Paketnamen verstehst. Beschreibe deshalb kurz die Leistung.
Zum Beispiel:
Integration in reguläres Video
Sponsor-Segment innerhalb eines redaktionellen Videos, inklusive vorher abgestimmter Pflichtbotschaften und vereinbarter Freigabe des Sponsor-Teils.
Eigenständiges Sponsoring-Video
Ein komplettes Video, dessen Thema gemeinsam mit der Marke festgelegt wird und das als eigener Beitrag auf deinem Kanal erscheint.
Ergänzende Leistung
Zum Beispiel ein zusätzlicher kurzer Ausschnitt, ein vereinbarter Link in der Beschreibung oder ein weiterer Content-Baustein, sofern er zum Deal gehört.
Du musst an dieser Stelle nicht zwingend Preise zeigen. Wenn du einen Preis nennst, muss klar sein, welche Leistung dahintersteht. Die Berechnung behandelst du separat unter YouTube Sponsoring Preis berechnen.
Arbeitsproben auswählen: Relevanz schlägt Rekord
Nimm nicht automatisch deine drei größten Videos. Frag stattdessen, welche Beispiele eine mögliche Marke am schnellsten verstehen lassen, wie du ihr Produkt in deinem Stil einbauen würdest.
Eine gute Arbeitsprobe zeigt mindestens eine dieser Fähigkeiten:
- du erklärst ein Produkt oder einen Prozess verständlich,
- du baust einen Themenwechsel sauber in ein langes Video ein,
- du demonstrierst etwas im echten Nutzungskontext,
- du hältst eine Geschichte trotz zusätzlicher Information zusammen,
- du kannst komplexe Punkte knapp zusammenfassen.
Wenn du bereits Sponsorings realisiert hast, kannst du passende Beispiele aufnehmen. Wenn nicht, reichen eigene redaktionelle Videos, die dieselben Fähigkeiten zeigen. Erfinde keine Kundenreferenzen.
Seite 5: Kontakt und nächster Schritt
Beende das Dokument mit einer klaren Handlungsaufforderung. Eine Marke soll wissen, was sie dir schicken soll, damit du ein Angebot machen kannst.
Zum Beispiel:
„Für eine konkrete Sponsoring-Idee schickt mir bitte Produkt, gewünschtes Videoformat, groben Zeitraum und geplanten Leistungsumfang. Danach melde ich mich mit Rückfragen oder einem passenden Vorschlag.“
Dazu kommen deine geschäftlichen Kontaktdaten. Ein Media-Kit muss nicht wie eine Bewerbung enden. Es ist ein Arbeitsdokument für eine mögliche Zusammenarbeit.
Aktualisierungsroutine: wann du dein Media-Kit öffnest
Leg keine starre Frist fest, die für immer gilt. Verknüpfe Aktualisierung lieber mit Ereignissen:
- nach mehreren neuen Videos in einem wichtigen Format,
- wenn sich dein Kanalthema sichtbar verändert,
- vor einem gezielten Pitch an eine besonders passende Marke,
- wenn deine bisherigen Arbeitsproben nicht mehr deinen aktuellen Stil zeigen,
- wenn zentrale Zielgruppen- oder Leistungsdaten deutlich veraltet sind.
Dann prüfst du zuerst die Vergleichsvideos, danach die Zielgruppenwerte und erst am Ende Texte und Gestaltung. So bleibt der Inhalt aktuell, ohne dass du jede Woche das gesamte Dokument neu baust.
Media-Kit und Pitch erfüllen verschiedene Aufgaben
Der Pitch beantwortet: Warum schreibe ich gerade diese Marke mit dieser Idee an? Das Media-Kit beantwortet: Wer bin ich als Creator und welche belegbaren Leistungen kann ich zeigen?
Schick deshalb nicht einfach nur einen Link zum Media-Kit ohne Kontext. Eine gute Pitch-Mail steht auch allein. Das Dokument liefert danach die Tiefe. Wie du Sponsoren gezielt ansprichst, erklärt YouTube Sponsoring bekommen.
Häufige Fragen
Was gehört in ein YouTube Media Kit?
Mindestens eine klare Kanalbeschreibung, relevante Zielgruppeninformationen, aktuelle Video-Kennzahlen, passende Arbeitsproben, deine möglichen Sponsoring-Formate und ein geschäftlicher Kontaktweg. Welche Details du ergänzt, hängt von deinem Kanal und der angefragten Zusammenarbeit ab.
Wie viele Seiten sollte ein Media-Kit haben?
Es gibt keine feste Seitenzahl, die für alle Creator passt. Das Dokument sollte so kurz sein, dass eine Marke die wichtigsten Informationen schnell versteht, und so ausführlich, dass dein Kanal nicht nur über eine einzelne Zahl beschrieben wird.
Welche Videos soll ich als Referenzen zeigen?
Wähle Videos, die thematisch oder vom Format zur geplanten Zusammenarbeit passen. Ein kleineres, sehr passendes Beispiel kann für einen konkreten Pitch hilfreicher sein als dein größtes Video zu einem völlig anderen Thema.
Muss ich Preise ins YouTube Media Kit schreiben?
Nein. Du kannst Preise weglassen und nach dem konkreten Briefing kalkulieren. Wenn du Preise nennst, sollte daneben stehen, welche Leistung enthalten ist, damit die Zahl nicht ohne Kontext gelesen wird.
Wie oft sollte ich die Zahlen aktualisieren?
Aktualisiere sie, wenn sich deine relevanten Leistungswerte oder Formate sichtbar verändert haben oder wenn du das Dokument für einen wichtigen Pitch verwendest. Nenne bei Zahlen möglichst den Stand, damit alte und neue Werte nicht verwechselt werden.
CreatorOffice für Creator
Das Media-Kit ist dein Verkaufsdokument für die Akquise. Sobald dein Management eine Kooperation in CreatorOffice betreut, kannst du Deal, Briefing, Fristen und Rechnungsstatus im Creator-Portal sehen. Den Zugang erhältst du per Einladung deines Managements.

