Das Skript steht, das Video ist gedreht und geschnitten. Dann schreibt die Marke: „Bitte keine Hände im Bild, das steht doch im Briefing.“ Es stand im Briefing, in Absatz fünf. Wer das Briefing als UGC-Creator vor dem Dreh prüft, findet solche Stellen, solange sie nur eine Rückfrage kosten und keinen Nachdreh.
Hier bekommst du eine Prüfliste mit neun Punkten, siehst sie an einem Beispielbriefing mit Lücken und lernst, wie du Briefing und Angebot abgleichst. Dazu gibt es eine Rückfrage-Vorlage, eine Regel für ausbleibende Antworten und eine für Änderungen nach dem Dreh.
Briefing prüfen als UGC-Creator: neun Punkte
Diese Punkte brauchst du, bevor du ein Skript schreibst. In Klammern steht, woran du erkennst, dass der Punkt klar ist.
Welche Pflichtangaben zu Werbung nötig sind, klärst du mit einer Kanzlei. Das Briefing sollte solche Vorgaben nennen, du prüfst sie nicht selbst. Wie Marken ein gutes Briefing aufbauen, steht im Ratgeber UGC-Briefing.
Das Beispielbriefing mit Markierungen
So sieht ein typisch kurzes Briefing aus. Die Marke Lunava stellt eine Hängeampel für Pflanzen vor:
Briefing Lunava, Hängeampel „Wolke“ Ziel: Aufmerksamkeit für die neue Ampel. Zielgruppe: Menschen, die ihre Wohnung gestalten. Botschaft: leicht aufzuhängen und sieht auf jedem Balkon gut aus. Bitte zeigen: Aufhängen und die fertig bepflanzte Ampel. Bitte nicht: andere Marken im Bild. Länge: kurz. Plattform: Social Media. Lieferung: Ende der Woche. Nutzung: unser Kanal.
Creatorin Elin Berg prüft es:
| Punkt | Wortlaut | Bewertung |
|---|---|---|
| Ziel | „Aufmerksamkeit“ | zu allgemein, Rückfrage |
| Zielgruppe | „Menschen, die ihre Wohnung gestalten“ | vage, aber nutzbar |
| Kernbotschaft | „leicht aufzuhängen, sieht gut aus“ | klar, zwei Nutzen, welcher zuerst? |
| Muss-Inhalte | Aufhängen, fertig bepflanzt | klar |
| No-Gos | andere Marken | klar |
| Format und Länge | „kurz“, „Social Media“ | fehlt: Sekunden, Seitenverhältnis, Plattform |
| Hooks | nichts | fehlt |
| Frist | „Ende der Woche“ | fehlt: Bezug zum Produkteingang |
| Nutzung | „unser Kanal“ | fehlt: Dauer, Anzeigen ja oder nein |

Nur drei von neun Punkten sind klar, zwei sind vage und vier fehlen ganz. Das heißt nicht, dass die Marke schlecht arbeitet, sondern dass sie Wissen voraussetzt, das nur sie hat.
Briefing und Angebot abgleichen
Hast du schon ein Angebot geschickt, vergleichst du es mit dem Briefing. Widersprüche zeigen sich oft in drei Bereichen:
| Dein Angebot | Das Briefing sagt | Folge | Dein Schritt |
|---|---|---|---|
| 1 Video | „ein Video je Farbe“, drei Farben | drei Videos statt einem | Zusatzangebot oder Umfang klären |
| Nutzung 30 Tage auf eigenen Kanälen | „auch für Anzeigen“ | größerer Nutzungsumfang | Nutzung neu bepreisen |
| 7 Werktage nach Produkt | „bis Freitag“ | kürzere Frist | neuen Termin vorschlagen |
Ein Rechenbeispiel mit frei gewählten Zahlen, ohne Steuern: Elin hat ein Video zu 4 Stunden × 40 € = 160 € angeboten. Das Briefing verlangt drei Videos, eines je Farbe. Dann sind es 3 × 160 € = 480 €, zuzüglich Nutzung. Zeig den Unterschied freundlich und mit Zahlen, bevor du anfängst. Wie du einen Mehrumfang als Zusatz anbietest, zeigt der Ratgeber UGC-Auftrag erweitern.
Gilt am Ende das Briefing oder dein Angebot? Wichtig ist, was beide Seiten schriftlich bestätigen. Welche Rechte und Pflichten daraus folgen, klärst du mit einer Kanzlei.
Rückfragen mit eigenen Vorschlägen stellen
Offene Fragen verlangen von der Marke Nachdenken. Ein Vorschlag, dem sie nur zustimmt, bekommt meist eine schnelle Antwort.
Vorlage: Rückfragen zum Briefing
Hallo [Name], danke für das Briefing zur Ampel „Wolke“. Bevor ich das Skript schreibe, brauche ich ein paar Angaben. Wo noch nichts feststeht, habe ich einen Vorschlag gemacht:
1. Ziel: Soll das Video eher das Aufhängen oder den Look zeigen? Vorschlag: Aufhängen im Mittelpunkt. 2. Länge und Format: Vorschlag: 25 Sekunden, Hochformat, für [Plattform]. 3. Hooks: Wie viele Einstiege wünscht ihr? Vorschlag: 3. 4. Frist: Wann kommt das Produkt? Ich liefere 7 Werktage nach Eingang. 5. Nutzung: Welche Kanäle, wie lange, mit oder ohne Anzeigen? Vorschlag: eigener Kanal, 30 Tage.
Mit euren Antworten starte ich das Skript sofort.
Viele Grüße Elin Berg
Das Skript stimmst du danach ab, bevor du drehst. Wie das geht, steht im Ratgeber UGC-Skript-Freigabe.
Wenn die Antworten ausbleiben: Annahmen festhalten
Manchmal bleibt die Antwort aus, die Frist läuft aber. Warte nicht still, sondern schreib deine Annahmen auf und nenne einen Starttermin:
Vorlage: Annahmen festhalten
Hallo [Name], ich möchte pünktlich starten und gehe deshalb von Folgendem aus: 1 Video, 25 Sekunden, Hochformat, 3 Hooks, Nutzung auf eurem Kanal für 30 Tage, Lieferung 7 Werktage nach Produkteingang. Wenn etwas nicht passt, sagt mir bitte bis [Datum] Bescheid. Danach beginne ich auf dieser Basis.
Das sichert dich nicht ab, aber es schafft eine Spur, auf die du dich beziehen kannst. Für die Zeit nach der Zusage hilft eine kurze Bestätigung, wie sie der Ratgeber UGC-Auftragsbestätigung beschreibt.
Änderungen nach Drehbeginn sind ein Zusatzauftrag
Ändert die Marke nach dem Dreh das Produkt, die Botschaft oder das Format, ist das kein Fehler von dir. Es ist eine Änderung des Auftrags. Geh so vor:
- Stopp: Arbeite nicht auf Verdacht weiter.
- Aufwand benennen: Was muss neu gedreht oder neu geschnitten werden, in Stunden?
- Preis und Frist nennen: Betrag und neuer Termin, schriftlich.
- Bestätigung abwarten: Erst danach legst du los.
Vorlage: Änderung nach Drehbeginn
Hallo [Name], die neue Vorgabe zur Botschaft ändert das Skript. Ich müsste Szene 2 und 3 neu drehen, das sind etwa 3 Stunden, also [Betrag] zusätzlich. Neuer Liefertermin wäre der [Datum]. Soll ich so vorgehen?
Wann ein Nachdreh im Paket steckt und wann er ein neuer Auftrag ist, erklärt der Ratgeber UGC-Nachdreh.
Mit Management: Briefings, Chat und Fristen im Creator-Portal
Nimmst du Aufträge über ein Management an, das CreatorOffice nutzt, siehst du im Creator-Portal am Handy:
- Briefings: je Kooperation oder je Beitrag, direkt am Deal
- Deal im Detail: Umfang, Plattform, Nutzungsdauer und Termin der Content-Abgabe
- Nachrichten: Chat mit dem Team direkt an der Kooperation
- Kalender: Entwurfsfristen und Posting-Termine, auf Wunsch mit Erinnerung am Vortag per Mail
- Content hochladen: Das Team gibt frei oder fordert eine Korrektur an
Den Zugang bekommst du per Einladung deines Managements. Wie das Portal aussieht, zeigt die Seite Für Creator.
Häufige Fragen
Was gehört in ein gutes UGC-Briefing?
Ziel, Zielgruppe, Kernbotschaft, Muss-Inhalte, No-Gos, Format und Länge, Hooks, Frist und Nutzung. Fehlt ein Punkt, ist das deine Rückfrage vor dem Dreh.
Was tue ich, wenn das Briefing unklar ist?
Stell alle Rückfragen in einer Nachricht und mach zu jeder einen Vorschlag. Warte auf die Antwort, bevor du das Skript schreibst. Kommt keine, halte deine Annahmen schriftlich fest und nenne einen Starttermin.
Wann frage ich nach: vor oder nach dem Angebot?
Am besten vor dem Angebot, damit der Preis zum echten Umfang passt. Kommt das Briefing erst nach der Zusage, gleich es sofort mit deinem Angebot ab und sprich Abweichungen an.
Darf die Marke das Briefing nach dem Dreh ändern?
Sie darf es wünschen. Ist dadurch neue Arbeit nötig, ist es ein Zusatzauftrag mit eigenem Angebot. Was vertraglich gilt, klärst du mit einer Kanzlei.
Wie lange dauert das Prüfen eines Briefings?
Oft eine halbe Stunde, je nach Länge. Diese Zeit gehört in deine Kalkulation, denn sie spart dir Korrekturen, die später mehr kosten.
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