Mitten im Auftrag kommt der Satz: „Könntest du noch ein zweites Produkt zeigen?“ Wer so einen Wunsch nebenbei erledigt, arbeitet unbezahlt und setzt einen Maßstab für alle weiteren Aufträge. Ein UGC-Auftrag lässt sich stattdessen mit einem kurzen Nachtragsangebot erweitern: Du nennst Umfang, Preis und neue Frist, und die Marke bestätigt.
UGC steht für „User Generated Content“: Videos und Fotos im Stil normaler Nutzerinnen und Nutzer, die eine Marke selbst einsetzt. Hier lernst du, Zusatzwünsche von normalen Korrekturen zu unterscheiden, sie mit denselben Bausteinen wie im Paket zu rechnen und freundlich zu formulieren.
Drei Fragen, bevor du antwortest
Wenn ein Wunsch eintrifft, entscheide nicht aus dem Bauch. Geh diese drei Fragen durch.

- Steht es im Angebot? Ja: Du lieferst es. Der Wunsch ist kein Zusatz.
- War es mein Fehler? Ja: Du behebst ihn ohne Aufpreis, auch einen nötigen Nachdreh.
- Ist es etwas Neues? Ja: Du schreibst einen Nachtrag mit Preis und Frist.
Die Grenze zwischen Zusatz und Nachdreh behandelt der Ratgeber UGC-Nachdreh. Wie du weitere Längen oder Formate desselben Videos berechnest, zeigt der Ratgeber UGC-Varianten berechnen. Hier geht es um Wünsche, die den Auftrag selbst größer machen.
Zusatzwünsche erkennen: fünf typische Fälle
| Wunsch der Marke | Einordnung | Das tust du |
|---|---|---|
| „Noch ein Video zum zweiten Produkt“ | neuer Inhalt | Nachtrag mit eigenem Video |
| „Kannst du das Skript für ein anderes Produkt anpassen?“ | neuer Inhalt | Nachtrag, Aufwand schätzen |
| „Drei Hook-Versionen mehr“ | zusätzlicher Umfang | Nachtrag je Hook |
| „Das Ganze auch im Querformat“ | neues Format | Nachtrag, Aufwand für Zuschnitt |
| „Wir würden es gern länger nutzen“ | längere Nutzung | Nachtrag mit Aufschlag |
Ein Hook ist der Einstieg eines Videos, also die ersten Sekunden. Eine Verlängerung der Nutzung hat einen eigenen Ratgeber: UGC-Nutzung verlängern.
Manche Wünsche sind klein. „Kannst du den Schriftzug einen Tick größer machen?“ ist eine Korrektur und kein Zusatz. Zähl sie zu den vereinbarten Korrekturschleifen. Eine Faustregel: Ändert sich Aufwand oder Umfang, ist es ein Zusatz. Ändert sich nur das Aussehen derselben Leistung, ist es eine Korrektur.
UGC-Auftrag erweitern: das Nachtragsangebot in vier Schritten
Ein Nachtrag ist kein neues Angebot, er hängt am Hauptauftrag. So baust du ihn:
- Bezug nennen: „Zu unserem Auftrag vom 6. Oktober für das Produkt [Name].“
- Zusatz beschreiben: Zahl, Länge, Plattform, Nutzung.
- Preis und Frist nennen: Betrag, neuer Liefertermin, Zahlungsziel.
- Bestätigung erbitten: „Antworte mit ‚Bestätigt‘, dann lege ich los.“
Vorlage: Nachtragsangebot
Hallo [Name], gern erweitere ich unseren Auftrag vom [Datum] zu [Produkt]. Zusätzlich zum bestellten Video liefere ich:
- 1 Video für [zweites Produkt], bis zu 30 Sekunden, für [Plattform] - 2 Hook-Versionen dazu - Nutzung: [Dauer] auf [Kanälen]
Preis für den Zusatz: [Betrag]. Neuer Liefertermin für den Zusatz: [Datum]. Der Termin für das erste Video bleibt unverändert beim [Datum]. Wenn du bestätigst, lege ich sofort los. Viele Grüße, Mara Linden
Rechenweg für den Zusatz
Du nutzt dieselben Bausteine wie bei einem Paket: Stunden je Baustein, Aufschlag für die Nutzung, gesparte Zeit. Wie du Pakete baust, steht im Ratgeber UGC-Pakete erstellen. Das Beispiel nutzt frei gewählte Zahlen, keine Marktpreise, alle Beträge ohne Steuern. Mara Linden rechnet mit 48 € je Stunde. Die Marke Avorae wünscht ein zweites Video und zwei Hooks.
| Baustein | Aufwand |
|---|---|
| Zweites Video: Skript, Dreh, Schnitt | 4 Stunden |
| 2 Hook-Versionen à 1 Stunde | 2 Stunden |
| Gesparte Zeit: Aufbau liegt schon, selber Dreh | – 1 Stunde |
| Summe | 5 Stunden |
5 × 48 € = 240 €. Dazu 20 % Aufschlag für 30 Tage Nutzung: 20 % von 240 € = 48 €. Zusatz gesamt: 288 €.
Gesparte Zeit gibst du nur weiter, wenn sie wirklich entsteht, hier, weil Mara ohnehin vor Ort ist. Einen Nachlass nur für die Menge gibt sie nicht. Die Summe prüfst du mit dem Rechner UGC-Vergütung berechnen. Er rechnet im Browser, ohne zu speichern, und gibt keinen Preis vor.
Den Zeitplan anpassen: neue Frist für den Zusatz
Die vereinbarte Frist für den Hauptauftrag bleibt. Für den Zusatz setzt du eine eigene. Mara plant so (alle Daten frei gewählt):
| Datum | Schritt |
|---|---|
| Donnerstag, 15. Oktober | Marke fragt nach dem zweiten Video |
| Freitag, 16. Oktober | Nachtrag geht raus, Bestätigung eingegangen |
| Mittwoch, 21. Oktober | Erstes Video wie vereinbart geliefert |
| Mittwoch, 28. Oktober | Zusatz geliefert |
Liefere nicht alles zusammen aus, wenn du nicht musst. Eine getrennte Frist hält das erste Video pünktlich und gibt dir Luft für den Zusatz. Will die Marke beides am 21. Oktober, rechne neu: Das ist ein Eilwunsch mit eigenem Aufschlag, den du vorher nennst.
Freundlich bleiben und trotzdem klar sein
Du musst nicht hart klingen, um klar zu sein. Diese Formulierungen helfen:
| Statt | Besser |
|---|---|
| „Das kostet extra.“ | „Gern, das wären [Betrag] zusätzlich, fertig am [Datum].“ |
| „Das war nicht abgesprochen.“ | „Im aktuellen Umfang sind [X Videos] enthalten. Für ein weiteres schicke ich dir ein kurzes Angebot.“ |
| „Mach ich nebenbei.“ | „Das kann ich gern übernehmen. Ich schreibe dir den Umfang kurz auf.“ |
| „Geht nicht.“ | „Bis zum Wunschtermin schaffe ich es nicht. Bis [Datum] geht es.“ |
Die Marke hört dann: Ich bin hilfsbereit, und ich arbeite mit klaren Absprachen. Beides baut Vertrauen auf. Wie ein Angebot grundsätzlich aufgebaut ist, steht im Ratgeber UGC-Angebot schreiben.
Was Änderungen am Vertrag bedeuten, klärst du mit einer Kanzlei.
Wenn du schon angefangen hast
Manchmal ist der Zusatz schon halb erledigt, bevor du nachdenkst. Dann geh sofort in drei Schritten vor:
- Schreib der Marke: „Mir ist aufgefallen, dass das Video für das zweite Produkt über den bestellten Umfang hinausgeht.“
- Biete an, es als Nachtrag nachträglich zu bestätigen, mit Betrag und Frist.
- Lehnt die Marke ab, lieferst du nur den bestellten Umfang und behältst den Rest für ein späteres Angebot.
Das ist unangenehm, aber besser, als stillschweigend unbezahlt zu arbeiten.
Mit Management: Umfang und Fristen im Creator-Portal
Arbeitest du mit einem Management oder einer Agentur, die CreatorOffice nutzt, hilft dir das Creator-Portal am Handy:
- Deine Deals: Die Kooperationen je Monat mit Stand, deinem Anteil und der Frist
- Deal im Detail: Umfang, Plattform, Nutzungsdauer und Termin für die Content-Abgabe
- Nachrichten: Zusatzwünsche klärst du im Chat direkt an der Kooperation mit dem Team.
- Kalender: Fristen und Termine, auf Wunsch mit Erinnerung am Vortag per Mail
Den Zugang bekommst du per Einladung deines Managements. Wie das Portal aussieht, zeigt die Seite Für Creator.
Häufige Fragen
Wie erweitere ich einen UGC-Auftrag?
Schreib einen kurzen Nachtrag mit Bezug zum Hauptauftrag, dem zusätzlichen Umfang, dem Preis und einer neuen Frist. Fang an, sobald die Marke schriftlich bestätigt hat.
Was mache ich, wenn die Kundin mehr Videos will?
Frag, welches Produkt, welche Länge und welche Nutzung gemeint sind. Rechne Stunden und Nutzung wie bei einem Paket und schick ein Nachtragsangebot. Die Frist für das erste Video bleibt bestehen.
Ist ein Zusatzwunsch eine Korrektur?
Nein, wenn sich Aufwand oder Umfang ändern. Eine Korrektur verändert nur das Aussehen derselben Leistung. Zusätze rechnest du extra, Korrekturen zählst du zu den vereinbarten Schleifen.
Darf ich für einen Zusatz einen Aufschlag nehmen?
Ja, wenn die Marke es eilig hat oder du Termine verschieben musst. Nenn den Aufschlag vorher in Euro, nicht als Gefühl. Für gesparte Zeit, etwa durch denselben Dreh, kannst du entgegenkommen.
Was, wenn die Marke den Zusatz nicht bezahlen will?
Dann lieferst du nur den bestellten Umfang und bietest den Zusatz später erneut an. Bereits begonnene Arbeit sprichst du offen an, bevor sie noch größer wird.
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