„Kannst du das auch als Kurzfassung machen? Und einmal im Querformat? Und vielleicht noch mit einem anderen Ende?“ Solche Sätze kommen oft erst nach dem Dreh. UGC-Varianten berechnen heißt, jede zusätzliche Fassung eines Videos als eigene Leistung mit eigener Zeit und eigenem Preis zu führen, statt sie nebenbei zu verschenken.
Hier erfährst du, was als Variante zählt und wann ein Wunsch ein neues Video ist. Du rechnest den Preis je Variante, schreibst sie im Angebot einzeln auf und antwortest auf spätere Wünsche mit einem Zusatzangebot.
UGC-Varianten berechnen: Was als Variante zählt
Eine Variante entsteht aus Material, das schon da ist. Du schneidest, passt an und exportierst neu. Vier Arten kommen am häufigsten vor:
| Variante | Beispiel | Was du tust |
|---|---|---|
| Länge | 30-Sekunden-Video wird zur Kurzfassung mit 15 Sekunden | Szenen auswählen, neu schneiden, Tempo anpassen |
| Seitenverhältnis | Hochformat wird zusätzlich im Querformat gewünscht | Bildausschnitt neu setzen, Schrift und Untertitel verschieben |
| Abschluss | anderer letzter Satz, etwa eine andere Aufforderung | neuen Schluss einsprechen oder einblenden, anfügen |
| Untertitel | Fassung mit und ohne Untertitel | Untertitel ausblenden oder einfügen, exportieren |
Auch ein Wechsel der Musik ist eine Variante, weil du das Video neu zusammensetzt. Ob und wie Musik in Anzeigen verwendet werden darf, klärst du mit einer Kanzlei.
Variante oder neues Video? Drei Fragen entscheiden
Nicht jeder Wunsch ist eine Variante. Frag dich:
- Brauche ich neue Aufnahmen? Wenn ja, ist es ein neues Video oder ein Nachdreh. Einen Nachdreh nach geänderten Vorgaben behandelt der Ratgeber UGC-Nachdreh.
- Ändert sich das Skript? Ein anderer Text bedeutet andere Aufnahmen und damit ein neues Video.
- Ist es nur ein anderer Einstieg? Ein neuer Hook, also ein anderer Beginn mit den ersten Sekunden, ist meistens ein eigener Baustein mit neuen Takes. Wie du Hooks anbietest, zeigt der Ratgeber UGC-Hooks anbieten.
Eine Variante liegt nur vor, wenn alle drei Antworten „nein“ lauten: kein neues Material, kein neues Skript, kein neuer Einstieg, nur eine andere Fassung. So bleibt der Preis nachvollziehbar.
Den Preis je Variante rechnen
Rechne wie bei jeder Leistung von deiner Zeit aus. Für jede Variante schätzt du vier Posten:
- Schnitt oder Anpassung: die eigentliche Arbeit
- Export: Rendern, Dateinamen, Format
- Prüfung: einmal ansehen, Ton und Schrift kontrollieren
- Abgabe: hochladen oder senden
Das Beispiel nutzt frei gewählte Zahlen, keine Marktpreise, alle Beträge ohne Steuern. Tilda Moor dreht UGC für einen Alltagsrucksack der Marke Avorae. Sie rechnet mit 40 € je Stunde. Das Basisvideo kostet sie 6 Stunden: 6 × 40 € = 240 €. Für die Varianten setzt sie an:
| Variante | Schnitt | Export, Prüfung, Abgabe | Stunden | Betrag |
|---|---|---|---|---|
| Kurzfassung, 15 Sekunden | 1 | 0,5 | 1,5 | 60 € |
| Querformat | 1,5 | 0,5 | 2 | 80 € |
| anderer Abschluss | 0,5 | 0,5 | 1 | 40 € |
| Fassung ohne Untertitel | 0 | 0,5 | 0,5 | 20 € |
Avorae wünscht das Basisvideo, die Kurzfassung, das Querformat, zwei verschiedene Abschlüsse und eine Fassung ohne Untertitel. Das sind 6 + 1,5 + 2 + 2 × 1 + 0,5 = 12 Stunden. 12 × 40 € = 480 €. Für 30 Tage Nutzung rechnet Tilda 20 % Aufschlag: 20 % von 480 € = 96 €. Das Angebot lautet 480 € + 96 € = 576 €.
Du kannst die Summe im Rechner UGC-Vergütung berechnen gegenprüfen. Er rechnet im Browser, ohne zu speichern. Wie du Preise grundsätzlich aufbaust, zeigt der Ratgeber Influencer-Preise kalkulieren.

Welche Variante für welchen Zweck? Rückfragen vor dem Angebot
Marken wünschen Varianten selten aus Spaß. Meist steckt ein Zweck dahinter, und wer ihn kennt, bietet genau das Nötige an. Frag deshalb vor dem Angebot, wofür die Fassungen gebraucht werden. Diese Zuordnung hilft beim Gespräch:
| Zweck der Marke | Sinnvolle Variante | Rückfrage an die Marke |
|---|---|---|
| mehrere Anzeigen gegeneinander testen | Kurzfassung und verschiedene Abschlüsse | Wie viele Fassungen wollt ihr testen? |
| Video auf der Produktseite im Onlineshop | Fassung ohne Untertitel, passendes Seitenverhältnis | In welchem Format wird es eingebunden? |
| Beitrag auf mehreren eigenen Kanälen | Länge und Format je Kanal | Welche Kanäle, und gibt es Vorgaben je Kanal? |
| Wechsel der Kampagne nach einigen Wochen | anderer Abschluss | Wann kommt die neue Aufforderung, und kennt ihr sie schon? |
Welche Formate eine Plattform genau annimmt, prüfst du in den aktuellen Regeln der Plattform und nicht in diesem Ratgeber. Wichtig ist, dass die Marke dir das Zielformat nennt. Rätselraten kostet dich später eine Variante, die nicht passt.
Kommt die Antwort „wir wissen es noch nicht“, bietest du eine kleine Lösung an: Das Basisvideo plus eine Variante, und alles Weitere als Zusatz mit festem Preis pro Fassung. So kann die Marke später entscheiden, ohne dass du pauschal etwas versprichst.
Varianten im Angebot einzeln auflisten
Schreib im Angebot nicht „alle gängigen Formate inklusive“. Jeder liest darin etwas anderes, und jedes weitere Format wird zur Diskussion. Liste stattdessen jede Variante mit Zahl auf und nenne, was nicht dazugehört.
Vorlage: Angebotszeilen mit Varianten
Leistung für [Produkt] - 1 Video, bis zu 30 Sekunden, Hochformat - 1 Kurzfassung, 15 Sekunden - 1 Fassung im Querformat - 2 Abschlüsse mit unterschiedlicher Aufforderung - 1 Fassung ohne Untertitel - 2 Korrekturrunden mit gebündeltem Feedback
Nicht enthalten: weitere Längen, Formate oder Abschlüsse. Gern erstelle ich dafür ein eigenes Angebot.
Hinter „Nicht enthalten“ steht kein Misstrauen. Es zeigt, wo dein Angebot aufhört. Mehr zum Aufbau des gesamten Angebots findest du im Ratgeber UGC-Angebot schreiben.
Spätere Variantenwünsche als Zusatzangebot behandeln
Wünsche nach der Lieferung sind normal. Entscheidend ist, wie du antwortest. Eine Faustregel:
- Kein Aufwand: ein anderer Dateiname oder ein erneuter Download. Das machst du ohne Aufpreis.
- Du musst schneiden oder exportieren: Zusatzangebot mit Betrag und Frist, bevor du anfängst.
- Du musst neu aufnehmen: neues Video oder Nachdreh, ebenfalls mit Angebot.
Vorlage: Antwort auf einen Variantenwunsch
Hallo [Name], gern erstelle ich das Querformat. Das sind etwa 2 Stunden Aufwand, also [Betrag] zusätzlich. Ich liefere es innerhalb von 3 Werktagen nach eurer Bestätigung. Soll ich loslegen?
Erst nach der Bestätigung schneidest du. Wächst ein Auftrag durch mehrere solche Wünsche, hilft der Ratgeber UGC-Auftrag erweitern.
Mit Management: Fassungen, Stand und Chat im Creator-Portal
Läuft der Auftrag über ein Management, das CreatorOffice nutzt, siehst du im Creator-Portal am Handy:
- Deal im Detail: Umfang, Plattform, Nutzungsdauer und Termin der Content-Abgabe
- Content hochladen: Deine Fassungen liegen an der Kooperation, das Team kommentiert, gibt frei oder fordert eine Korrektur an
- Korrekturschleifen: CreatorOffice zählt die vereinbarten Runden mit
- Nachrichten: Zusatzwünsche klärst du im Chat direkt an der Kooperation, damit sie nicht in Nebenkanälen untergehen
- Rechnungen: Du reichst deine Rechnung ein und siehst Prüfung, Freigabe und Zahlung
Den Zugang bekommst du per Einladung deines Managements. Wie das Portal aussieht, zeigt die Seite Für Creator.
Häufige Fragen
Was zählt bei UGC als Variante?
Eine weitere Fassung desselben Videos aus demselben Material, zum Beispiel eine andere Länge, ein anderes Seitenverhältnis, ein anderer Abschluss oder eine Fassung mit oder ohne Untertitel. Brauchst du neue Aufnahmen, ist es keine Variante.
Wie berechne ich eine UGC-Variante?
Schätze die Zeit für Schnitt oder Anpassung, Export, Prüfung und Abgabe, multipliziere mit deinem Stundensatz und schreibe den Betrag als eigene Zeile ins Angebot. Das Rechenbeispiel oben zeigt vier typische Fälle.
Sind Varianten im Videopreis enthalten?
Nur, wenn du sie im Angebot einzeln genannt hast. Schreib deshalb Zahl und Art jeder Variante auf und nenne, was nicht enthalten ist.
Was mache ich, wenn die Marke nach der Lieferung weitere Varianten will?
Antworte mit einem Zusatzangebot aus Betrag und Frist und warte die Bestätigung ab. Kleine Dinge ohne Aufwand, wie ein erneuter Download, kannst du ohne Aufpreis erledigen.
Ist ein anderer Einstieg eine Variante?
Meist nicht. Ein anderer Hook braucht oft neue Aufnahmen und ist ein eigener Baustein im Angebot. Eine Variante ist nur die andere Fassung desselben Materials.
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