Im Erstgespräch mit einem Creator überzeugt ein Management nicht mit Versprechen, sondern mit Vorbereitung und Offenheit: Du kennst den Kanal, hast zwei oder drei konkrete Ideen für Marken, erklärst Provision und Vertrag ohne Umwege und zeigst, wie der Creator später sieht, was mit seinem Geld passiert. Am Ende steht ein klarer nächster Schritt, kein „wir melden uns“.
Creator, die für ein Management interessant sind, sprechen oft mit mehreren. Sie vergleichen nicht nur Prozentsätze, sondern auch, ob sie dir vertrauen. Dieser Ratgeber zeigt, wie du dich vorbereitest, wie ein Gespräch von 45 Minuten abläuft, wie du Konditionen mit einem Rechenbeispiel erklärst und welche Einwände häufig kommen. Wie du passende Creator überhaupt findest und ansprichst, beschreibt der Ratgeber Talent-Scouting.
Vorbereitung auf das Erstgespräch mit einem Creator
Plane etwa eine Stunde Vorbereitung ein. Sie entscheidet über den Eindruck.
Kanal verstehen
- Welche Formate funktionieren am besten, welche weniger?
- Wer ist die Zielgruppe, und was zeigt der Creator von sich?
- Welche Kooperationen gab es bisher, und wie wirkten sie?
- Wie regelmäßig postet der Creator?
Zwei bis drei Markenideen
Notiere Marken oder Branchen, die zum Creator passen, mit je einem Satz, warum. Das zeigt mehr Verständnis als jede Präsentation der Agentur. Nenne keine Zusagen, sondern Ideen.
Konditionen schriftlich
Leg eine Seite bereit mit Provisionssatz, Laufzeit, Kündigungsfrist, Exklusivität, Auszahlungsrhythmus und was das Management leistet. So kannst du sie nach dem Gespräch sofort schicken.
Ablauf: 45 Minuten in fünf Teilen
| Teil | Dauer | Inhalt |
|---|---|---|
| 1. Einstieg | 5 Minuten | Vorstellung, Ziel des Gesprächs, Ablauf |
| 2. Der Creator erzählt | 15 Minuten | Ziele, bisherige Kooperationen, Erwartungen |
| 3. Deine Ideen | 10 Minuten | Kanal-Einschätzung, Markenideen, wie du arbeitest |
| 4. Konditionen | 10 Minuten | Provision, Vertrag, Abrechnung, Transparenz |
| 5. Nächster Schritt | 5 Minuten | was bis wann passiert |
Teil 2: zuhören statt präsentieren
Gute Fragen für diesen Teil:
- Wo soll dein Kanal in einem Jahr stehen?
- Welche Kooperation war bisher die beste, und warum?
- Was hat dich an Kooperationen genervt: Verhandeln, Rechnungen, Nachfassen, Briefings?
- Hattest du schon ein Management? Was hat gefehlt?
- Wie viele Kooperationen im Monat sind für dich machbar?
- Gibt es Marken oder Branchen, mit denen du nie arbeiten würdest?
Notiere Antworten wörtlich. Du brauchst sie für die Nachricht danach.
Teil 3: konkret werden
Greif zwei Antworten aus Teil 2 auf und verbinde sie mit deinen Ideen: „Du hast gesagt, Rechnungen und Nachfassen kosten dich Zeit. Das übernehmen wir komplett. Und zu deiner Reiseserie passen aus unserer Sicht zwei Marken, mit denen wir schon gearbeitet haben.“
Zeig auch, wie die Zusammenarbeit im Alltag aussieht: Wer ist Ansprechperson, wie schnell antwortet ihr, wie läuft eine Kooperation vom Briefing bis zur Auszahlung.
Konditionen offen erklären: mit Rechenbeispiel
Viele Creator kennen nur den Prozentsatz. Ein Beispiel macht die Konditionen greifbar. Die Zahlen sind frei gewählt, ohne Steuern.
Konditionen von Studio Nordlicht: 20 % Provision auf das Honorar, Auslagen provisionsfrei, Auszahlung 14 Tage nach Zahlungseingang der Marke.
Beispiel-Kooperation: zwei Reels für die Marke Velune, 3.000 € Honorar, dazu 150 € Reisekosten.
- Rechnung an die Marke: 3.000 € + 150 € = 3.150 €
- Provision: 20 % von 3.000 € = 600 €
- Anteil des Creators: 3.000 € − 600 € = 2.400 €
- Auslagen ohne Abzug: 150 €
- Auszahlung an den Creator: 2.400 € + 150 € = 2.550 €
Erkläre dazu, worauf sich die Provision bezieht und worauf nicht. Ob sie vom Netto- oder Bruttobetrag berechnet wird, sollte eindeutig sein. Mehr dazu steht im Ratgeber Provision vom Netto oder Brutto.
Was ein Creator vom Vertrag wissen will
- Laufzeit und Kündigung: Wie lange bindet er sich, wie kommt er heraus?
- Exklusivität: Darf er Anfragen selbst annehmen? Bekommt das Management auch auf diese Provision?
- Nachprovision: Was gilt nach dem Ende?
- Geldfluss: Zahlt die Marke an die Agentur oder an ihn?
- Einblick: Sieht er Budget, Provision und Zahlungsstand?
Wie ein fairer Managementvertrag aufgebaut ist, beschreibt der Ratgeber Managementvertrag für Creator.
Häufige Einwände und mögliche Antworten
| Einwand | Mögliche Antwort |
|---|---|
| „20 % sind mir zu viel.“ | „Lass uns rechnen: Wenn wir dein Honorar je Kooperation von 2.000 € auf 2.500 € bringen, bleiben dir nach Provision 2.000 €, und du verhandelst, schreibst Rechnungen und fasst nicht mehr selbst nach.“ |
| „Ich will flexibel bleiben.“ | „Verstehe ich. Wir starten mit einer Laufzeit von zwölf Monaten und einer klaren Kündigungsfrist. Was müsste passieren, damit du nach einem Jahr verlängerst?“ |
| „Meine eigenen Anfragen will ich behalten.“ | „Das können wir regeln: Für Anfragen, die direkt zu dir kommen, gilt ein niedrigerer Satz, und wir übernehmen trotzdem Vertrag und Rechnung.“ |
| „Ich hatte schlechte Erfahrungen mit einem Management.“ | „Was genau lief schief? Dann sage ich dir ehrlich, wie das bei uns läuft.“ |
| „Ich weiß nicht, ob ich groß genug bin.“ | „Für uns zählt, ob deine Zielgruppe zu Marken passt, mit denen wir arbeiten. Bei dir sehen wir zwei konkrete Möglichkeiten.“ |
Versprich keine Umsätze. Sag, was du tust, nicht, was der Markt tun wird.
Nach dem Gespräch: Nachricht innerhalb von 24 Stunden
Schick am selben oder nächsten Tag eine kurze Zusammenfassung:
Hallo Elin,
danke für das offene Gespräch. Was ich mitnehme: Du willst deine Reiseserie ausbauen, höchstens vier Kooperationen im Monat machen und Rechnungen und Nachfassen abgeben.
Im Anhang findest du unsere Konditionen auf einer Seite und den Entwurf des Managementvertrags. Zu deiner Reiseserie passen aus unserer Sicht die Marken, über die wir gesprochen haben.
Wenn du Fragen hast, ruf mich gern an. Sonst melde ich mich am Donnerstag, den 12., wie besprochen.
Beste Grüße Alex Nord, Studio Nordlicht
Dräng nicht. Gib dem Creator Zeit, den Vertrag zu lesen und, wenn er möchte, prüfen zu lassen.
Checkliste für das Erstgespräch
Typische Fehler im Erstgespräch
Zu viel über die Agentur reden
Der Creator will wissen, was du für ihn tust, nicht, wie groß deine Agentur ist. Halte die Vorstellung kurz.
Provision verschweigen
Wer Konditionen erst im Vertrag zeigt, wirkt unehrlich. Sprich sie im Gespräch an.
Umsätze versprechen
„Mit uns verdienst du das Doppelte“ ist eine Zusage, die du nicht kontrollierst. Sprich über Ideen und Arbeit.
Kein nächster Schritt
Ohne Datum schläft das Gespräch ein. Vereinbare, wer sich wann meldet.
Zu schnell zur Unterschrift drängen
Druck schreckt gute Creator ab. Ein Vertrag, den jemand in Ruhe gelesen hat, hält länger.
So hilft CreatorOffice im Erstgespräch und danach
CreatorOffice ist ein Backoffice im Browser für Talent-Managements und Influencer-Agenturen. Diese Funktionen kannst du im Gespräch zeigen und danach nutzen:
- Creator-Portal unter dem Namen der Agentur: mit Logo und Farbe, fürs Handy gebaut, lässt sich wie eine App auf den Startbildschirm legen. In jedem Tarif.
- Was Creator sehen: drei Stufen, vom eigenen Anteil bis zu Budget, Provision und Zahlungsstand der Marke. Den eigenen Anteil sehen Creator immer.
- Provision je Creator: eigener Satz oder Staffel, eigene Sätze je Herkunft der Anfrage, etwa für Eigenakquise des Creators.
- Auslagen provisionsfrei: Den Anteil rechnet CreatorOffice für jeden Monat aus.
- Verträge aus der eigenen Vorlage: Unterschrift per Link, auch am Handy.
- Zugang per Einladung: Der Creator bekommt seinen Zugang von dir.
Mehr dazu auf den Seiten Talentmanagement-Software für Creator-Managements und Für Creator. Was in welchem Tarif steckt, steht bei den Tarifen.
Häufige Fragen
Wie lange sollte ein Erstgespräch mit einem Creator dauern?
Etwa 45 Minuten reichen: Einstieg, Erzählung des Creators, deine Ideen, Konditionen und der nächste Schritt. Plane eine Stunde Vorbereitung dazu.
Sollte ich die Provision schon im Erstgespräch nennen?
Ja. Offene Konditionen schaffen Vertrauen. Ein Rechenbeispiel mit einer typischen Kooperation macht sie verständlich.
Was tun, wenn der Creator die Provision zu hoch findet?
Erkläre, was das Management leistet, und rechne vor, was nach Provision bleibt. Für Anfragen, die direkt zum Creator kommen, kann ein niedrigerer Satz eine Lösung sein.
Wie schnell sollte ich nach dem Gespräch nachfassen?
Schick innerhalb von 24 Stunden eine kurze Zusammenfassung mit Konditionen und Vertragsentwurf. Melde dich dann zum vereinbarten Termin.
Was unterscheidet das Erstgespräch vom Kennenlernen beim Scouting?
Beim Scouting prüfst du, ob ein Creator zu deinem Management passt. Im Erstgespräch geht es darum, den Creator von deinem Management zu überzeugen und Konditionen zu klären.
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