Inkasso für Influencer-Agenturen lohnt sich vor allem dann, wenn eine Marke eine unbestrittene Rechnung trotz Mahnungen nicht bezahlt, ihren Sitz in Deutschland hat und du die Beziehung zu ihr nicht mehr retten willst oder musst. Ein Inkassodienstleister übernimmt das Nachfassen mit mehr Nachdruck. Seine Kosten kann die Agentur in Deutschland vom säumigen Unternehmen als Verzugsschaden verlangen, allerdings höchstens bis zu der Höhe, die eine Anwältin oder ein Anwalt für dieselbe Tätigkeit bekäme.
Für viele Agenturen ist Inkasso ein großer Schritt: Die Marke ist vielleicht ein potenzieller Kunde für andere Creator, und der Creator wartet auf sein Geld. Dieser Ratgeber zeigt, wann Inkasso sinnvoll ist und wann andere Wege besser passen, welche Unterlagen du brauchst, was Inkasso kosten darf und wie du das mit dem Creator abstimmst. Wie du vorher richtig mahnst, steht im Ratgeber Offene Rechnungen in der Agentur.
Wann lohnt sich Inkasso für die Agentur?
Prüfe vor der Beauftragung fünf Fragen:
| Frage | spricht für Inkasso | spricht dagegen |
|---|---|---|
| Ist die Forderung unbestritten? | Marke hat Leistung abgenommen, schweigt nur | Marke bemängelt Content oder Vertrag |
| Ist die Marke im Verzug? | Fälligkeit und Mahnungen dokumentiert | Rechnung erst kürzlich fällig |
| Wo sitzt die Marke? | in Deutschland | im Ausland, besonders außerhalb der EU |
| Wie hoch ist der Betrag? | lohnt den Aufwand | sehr klein, Aufwand übersteigt Nutzen |
| Ist die Beziehung wichtig? | Beziehung ist ohnehin beendet | Marke ist wichtiger Kunde mehrerer Creator |
Bei unbestrittenen Forderungen gegen Marken, die einfach nicht reagieren, ist Inkasso oft ein guter Zwischenschritt. Gibt es einen Streit über die Leistung, etwa weil die Marke behauptet, der Content entspreche nicht dem Briefing, braucht es eine rechtliche Klärung. Das gehört zu deiner Kanzlei.
Was gilt beim Zahlungsverzug? Ein kurzer Überblick
Ohne Rechtsberatung, Stand Oktober 2026, für Forderungen gegen Unternehmen in Deutschland:
- Verzug: Spätestens 30 Tage nach Fälligkeit und Zugang der Rechnung ist ein Unternehmen im Verzug (§ 286 Abs. 3 BGB). Früher, wenn du eine Mahnung nach Fälligkeit geschickt hast oder ein Zahlungstermin vereinbart war.
- Verzugszinsen: Bei Geschäften zwischen Unternehmen neun Prozentpunkte über dem Basiszinssatz (§ 288 Abs. 2 BGB). Der Basiszinssatz beträgt seit 1. Juli 2026 1,52 %, der Verzugszins also 10,52 % im Jahr.
- Pauschale: Zusätzlich kannst du eine Pauschale von 40 € verlangen (§ 288 Abs. 5 BGB). Sie wird auf spätere Kosten der Rechtsverfolgung angerechnet.
- Inkassokosten: Die Kosten eines Inkassodienstleisters kannst du vom Schuldner nur bis zur Höhe der Vergütung ersetzt verlangen, die ein Rechtsanwalt für dieselbe Tätigkeit nach dem Rechtsanwaltsvergütungsgesetz bekäme (§ 13e Rechtsdienstleistungsgesetz).
Ob diese Regeln in deinem Fall greifen, prüft deine Kanzlei. Für Marken in Österreich und der Schweiz gelten eigene Regeln, für die Schweiz zum Beispiel ein anderer Verzugszins.
Rechenbeispiel: Was die Marke zusätzlich schuldet
Die Zahlen sind frei gewählt. Studio Nordlicht hat der Marke Kalmira 4.760 € in Rechnung gestellt (4.000 € netto plus 19 % Umsatzsteuer). Die Rechnung ist seit 60 Tagen im Verzug.
- Verzugszins: 4.760 € × 10,52 % × 60 ÷ 365 = 82,32 €
- Pauschale: 40 €
- Forderung inklusive Zinsen und Pauschale: 4.760 € + 82,32 € + 40 € = 4.882,32 €
Beauftragt Studio Nordlicht jetzt ein Inkassobüro, kommen dessen Kosten als Verzugsschaden dazu, begrenzt wie oben beschrieben, und die 40 € Pauschale werden darauf angerechnet. Wie viel Verzugszins in deinem Fall anfällt, rechnest du mit dem Verzugszinsrechner nach.
Wichtig: Zahlt die Marke am Ende nicht, weil sie zahlungsunfähig ist, bleiben die Kosten des Inkassobüros womöglich bei dir. Frag vor der Beauftragung, welche Kosten im Misserfolgsfall entstehen.
Ein seriöses Inkassobüro finden
Achte bei der Auswahl auf diese Punkte:
- Registrierung: Inkassodienstleister brauchen eine Registrierung beim Bundesamt für Justiz (§ 10 RDG). Das Rechtsdienstleistungsregister ist öffentlich einsehbar.
- Kosten transparent: Welche Kosten zahlst du, wenn die Marke zahlt, und welche, wenn nicht?
- Erfahrung mit Unternehmen: Forderungen gegen Firmen laufen anders als gegen Privatpersonen.
- Ton: Ein seriöses Büro schreibt bestimmt, aber sachlich. Drohende Schreiben fallen auf die Agentur zurück.
- Weiterer Weg: Kann das Büro bei Bedarf ein gerichtliches Mahnverfahren einleiten oder an eine Kanzlei übergeben?
Diese Unterlagen braucht das Inkassobüro
Je vollständiger die Unterlagen, desto schneller und günstiger der Ablauf.
Wenn der Creator direkt mit der Marke abrechnet
Hat der Creator die Rechnung selbst an die Marke gestellt, ist er Gläubiger, nicht die Agentur. Dann muss der Creator das Inkasso beauftragen oder der Agentur eine entsprechende Vollmacht geben. Ob die Agentur in diesem Fall für den Creator handeln darf, klärst du mit deiner Kanzlei.
Sprich in jedem Fall mit dem Creator, bevor ein Inkassobüro tätig wird. Ein Inkassoverfahren gegen eine Marke kann seine Beziehung zu ihr beenden. Manche Creator wollen das, andere nicht.
Inkasso, Mahnbescheid oder Anwalt?
| Weg | Passt bei | Ergebnis |
|---|---|---|
| Inkasso | unbestrittene Forderung, Schuldner reagiert nicht | Zahlung oder Übergang ins gerichtliche Verfahren |
| Gerichtlicher Mahnbescheid | unbestrittene Forderung, schneller Vollstreckungstitel gewünscht | Vollstreckungsbescheid, wenn kein Widerspruch kommt |
| Kanzlei | Streit über Leistung oder Vertrag, hohe Beträge | rechtliche Bewertung, Verhandlung oder Klage |
Wie das gerichtliche Mahnverfahren funktioniert, beschreibt der Ratgeber Mahnbescheid gegen eine Marke.
Typische Fehler
Zu früh zum Inkasso
Wer nach einer Erinnerung Inkasso beauftragt, verärgert Marken, die nur langsam zahlen. Halte deine Mahnleiter ein.
Bestrittene Forderung zum Inkasso geben
Bei Streit über die Leistung führt Inkasso selten zum Ziel. Kläre zuerst den Streit.
Creator nicht gefragt
Der Creator hat ein Interesse an der Beziehung zur Marke. Stimme dich ab.
Unterlagen fehlen
Ohne Nachweis der Leistung kann das Inkassobüro wenig tun. Dokumentiere jede Kooperation von Anfang an.
So bildet CreatorOffice den Weg bis zum Inkasso ab
CreatorOffice ist ein Backoffice im Browser für Talent-Managements und Influencer-Agenturen. Belegt sind diese Funktionen:
- Mahnwesen: CreatorOffice prüft jeden Tag, welche Rechnungen überfällig sind, und bereitet die nächste Mahnung vor. Versand per Klick.
- Eigene Mahnleiter: Texte, Fristen, Gebühren und Zinsen legst du selbst fest, in jedem Tarif.
- Forderungsaufstellung: Das Mahnschreiben entsteht als PDF mit Forderungsaufstellung, die Rechnung hängt an.
- Inkasso nur nach Entscheidung: Nach der letzten Stufe entscheidest du an der Rechnung. Automatisch geht nichts ans Inkasso, jeder Schritt steht im Verlauf.
- Mahnung im Auftrag des Creators: Rechnet ein Creator direkt mit der Marke ab, mahnt die Agentur in seinem Namen, der Creator steht als Gläubiger im Schreiben.
- Nachweise an der Kooperation: Vertrag, Freigabe und gemeldeter Beitrag mit Link und Datum.
Mehr dazu auf der Seite Rechnungen und Mahnwesen für Agenturen. Was in welchem Tarif steckt, steht bei den Tarifen.
Häufige Fragen
Wann sollte eine Agentur Inkasso beauftragen?
Wenn eine unbestrittene Rechnung trotz Mahnungen nicht bezahlt wird, die Marke in Deutschland sitzt und die Beziehung nicht im Vordergrund steht. Bei Streit über die Leistung ist eine Kanzlei der bessere Weg.
Wer zahlt die Inkassokosten?
Ist die Marke im Verzug, kann die Agentur die Kosten als Verzugsschaden verlangen, höchstens bis zur Höhe vergleichbarer Anwaltskosten. Zahlt die Marke nicht, etwa wegen Zahlungsunfähigkeit, können Kosten bei der Agentur bleiben.
Wie hoch sind die Verzugszinsen zwischen Unternehmen?
Neun Prozentpunkte über dem Basiszinssatz. Seit 1. Juli 2026 liegt der Basiszinssatz bei 1,52 %, der Verzugszins also bei 10,52 % im Jahr. Dazu kommt eine Pauschale von 40 €.
Wie erkenne ich ein seriöses Inkassobüro?
Es ist beim Bundesamt für Justiz registriert, nennt seine Kosten vorab, schreibt sachlich und kann bei Bedarf an ein gerichtliches Verfahren oder eine Kanzlei übergeben.
Kann die Agentur Inkasso für den Creator beauftragen?
Wenn der Creator Gläubiger ist, braucht die Agentur dafür eine Vollmacht des Creators. Was im Einzelfall möglich ist, klärst du mit deiner Kanzlei.
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Leg deine Mahnleiter mit eigenen Fristen und Gebühren an und sieh, wie CreatorOffice offene Rechnungen bis zur letzten Stufe begleitet. Teste CreatorOffice 14 Tage kostenlos im Tarif deiner Wahl.

