Ein Rahmenvertrag mit einer Marke legt die allgemeinen Bedingungen für alle künftigen Kooperationen einmal fest: Preise oder Preisliste, Zahlungsziel, Nutzungsrechte, Freigaben, Stornoregeln, Haftung und Laufzeit. Jede einzelne Kampagne wird danach nur noch mit einem kurzen Einzelauftrag abgerufen, der Creator, Leistungen, Termine und Honorar nennt. Er lohnt sich, sobald eine Marke regelmäßig bucht oder mehrere Creator über dieselbe Agentur einsetzt.
Ohne Rahmenvertrag verhandelt die Agentur bei jeder Kampagne dieselben Punkte neu: Nutzungsdauer, Zahlungsziel, Korrekturschleifen. Das kostet Zeit und führt zu Verträgen, die sich in Details widersprechen. Dieser Ratgeber zeigt, wann sich ein Rahmenvertrag lohnt, was hineingehört, wie der Abruf funktioniert und wie du Mengenrabatte rechnest. Wie Retainer und Monatsdeals mit Marken funktionieren, beschreibt der Ratgeber Langzeitkooperationen mit Marken.
Rahmenvertrag, Retainer, Einzelvertrag: der Unterschied
| Form | Was er regelt | Verpflichtung zur Abnahme |
|---|---|---|
| Einzelvertrag | eine Kooperation mit allen Bedingungen | nur diese Kooperation |
| Rahmenvertrag | Bedingungen für künftige Kooperationen | meist keine, manchmal ein Mindestvolumen |
| Retainer oder Monatsdeal | feste Leistungen und Zahlungen je Monat | ja, für die Laufzeit |
Ein Rahmenvertrag allein bringt also noch keinen Umsatz. Er macht jede künftige Buchung schneller und einheitlicher. Wird ein Mindestvolumen vereinbart, kommt ein Stück Planungssicherheit dazu.
Wann lohnt sich ein Rahmenvertrag mit einer Marke?
Diese Signale sprechen dafür:
- Die Marke hat in den letzten zwölf Monaten drei oder mehr Kampagnen gebucht.
- Mehrere Creator der Agentur arbeiten für dieselbe Marke.
- Die Marke hat einen Einkauf oder eine Rechtsabteilung, die jeden Vertrag einzeln prüft.
- Bei jedem Vertrag werden dieselben Punkte verhandelt.
- Die Marke fragt selbst nach festen Konditionen für das Jahr.
Weniger sinnvoll ist ein Rahmenvertrag bei einer Marke, die einmal im Jahr bucht, oder wenn sich Leistungen und Preise ständig stark ändern.
Was in den Rahmenvertrag gehört
Allgemeiner Teil
- Geltungsbereich: Welche Leistungen und Creator fallen darunter? Gilt er für alle Marken eines Konzerns oder nur für eine?
- Abrufverfahren: Wie wird eine Kampagne beauftragt? Per Einzelauftrag, in Textform, mit Bestellnummer?
- Rangfolge: Was gilt, wenn Einzelauftrag und Rahmenvertrag sich widersprechen?
- Laufzeit und Kündigung: zum Beispiel ein Jahr mit Verlängerung, Kündigungsfrist drei Monate. Laufende Einzelaufträge werden zu Ende geführt.
Leistung und Content
- Freigabeprozess: Fristen für Rückmeldungen, Anzahl der Korrekturschleifen, Freigabe gilt als erteilt nach einer bestimmten Frist ohne Rückmeldung.
- Kennzeichnung: Wer verantwortet die Werbekennzeichnung, und nach welchen Vorgaben?
- Nutzungsrechte als Standard: zum Beispiel organisch auf den Kanälen der Marke für zwölf Monate, alles darüber gegen Aufpreis laut Preisliste.
- Exklusivität: Standard ohne Exklusivität, Exklusivität nur gegen Aufpreis und im Einzelauftrag.
Geld
- Preisliste: je Creator und Format oder als Anlage, mit Gültigkeit und Anpassungsregel.
- Zahlungsziel und Rechnungsstellung: etwa 30 Tage, Rechnung nach Veröffentlichung oder in Raten, Bestellnummer auf jeder Rechnung.
- Stornoregel: gestaffelt nach Projektstand. Hintergründe im Ratgeber Ausfallhonorar.
- Auslagen: welche erstattet werden und wie.
- Mengenrabatt: wenn vereinbart, mit klarer Berechnung.
Recht
- Haftung und Freistellung: möglichst gegenseitig und begrenzt.
- Vertraulichkeit: was über die Zusammenarbeit gesagt werden darf.
- Datenschutz: wenn personenbezogene Daten ausgetauscht werden.
- Anwendbares Recht und Gerichtsstand.
Die rechtlichen Abschnitte formuliert oder prüft deine Kanzlei.
Der Einzelauftrag: kurz und eindeutig
Der Einzelauftrag nennt nur, was sich von Kampagne zu Kampagne ändert. Eine Vorlage:
Einzelauftrag Nr. 2027-03 zum Rahmenvertrag vom 15.01.2027
Marke: Lumen Skincare · Agentur: Studio Nordlicht Kampagne: Frühjahrspflege Creator: Mara Linden, Elin Berg Leistungen: je zwei Reels und eine Story-Serie Entwurfsfrist: 10.03.2027 · Veröffentlichung: 20. bis 31.03.2027 Honorar: laut Preisliste, zusammen 12.400 € netto Nutzungsrechte: Standard laut Rahmenvertrag, zusätzlich bezahlte Werbung für drei Monate gegen 1.200 € netto Bestellnummer: wird von der Marke ergänzt
Im Übrigen gelten die Bedingungen des Rahmenvertrags.
Eine Seite reicht. Alles andere steht schon im Rahmenvertrag.
Rechenbeispiel: Mengenrabatt auf abgerufene Leistungen
Die Zahlen sind frei gewählt, ohne Umsatzsteuer. Studio Nordlicht und Lumen Skincare vereinbaren: Übersteigen die abgerufenen Honorare im Vertragsjahr 50.000 €, gibt es auf den Teil darüber 5 % Rabatt, verrechnet mit der letzten Rechnung des Jahres.
| Einzelauftrag | Honorar | kumuliert |
|---|---|---|
| 1 | 12.400 € | 12.400 € |
| 2 | 18.000 € | 30.400 € |
| 3 | 15.600 € | 46.000 € |
| 4 | 14.000 € | 60.000 € |
- über der Schwelle: 60.000 € − 50.000 € = 10.000 €
- Rabatt 5 %: 500 €
- effektiver Rabatt auf das Jahr: 500 € ÷ 60.000 € = 0,83 %
Der Rabatt ist für die Marke ein Anreiz, mehr über die Agentur zu buchen, und kostet die Agentur wenig. Wer davon wie viel trägt, Agentur oder Creator, legst du vorher fest. Üblich ist, dass der Rabatt anteilig aus Provision und Creator-Anteil kommt oder allein aus der Provision.
Vermeide Rabatte auf ein versprochenes Volumen, das nie abgerufen wird. Dann hast du den Rabatt gewährt, ohne den Umsatz zu bekommen.
Den Rahmenvertrag verhandeln: in dieser Reihenfolge
Große Marken schicken oft ihren eigenen Rahmenvertrag. Geh ihn in dieser Reihenfolge durch, damit du zuerst die Punkte klärst, die Geld und Rechte betreffen:
- Nutzungsrechte: Was ist im Honorar enthalten, was kostet extra?
- Zahlungsziel und Rechnungsstellung: Passt das Zahlungsziel zu deiner Liquidität? Wann darfst du abrechnen?
- Storno und Kündigung: Was wird bezahlt, wenn die Marke absagt?
- Haftung und Freistellung: Ist sie begrenzt und gegenseitig?
- Exklusivität: Gibt es eine allgemeine Sperre für Wettbewerber, die alle Creator der Agentur trifft?
- Alles andere: Vertraulichkeit, Datenschutz, Formalien.
Punkt 5 wird oft übersehen: Ein Rahmenvertrag, der „die Agentur“ an Exklusivität bindet, kann alle Creator des Rosters für Wettbewerber sperren.
Checkliste: Rahmenvertrag mit einer Marke
Typische Fehler
Rahmenvertrag mit Mindestvolumen nur für die Agentur
Die Agentur verpflichtet sich zu Kapazität, die Marke zu nichts. Wenn Kapazität zugesagt wird, braucht es eine Gegenleistung.
Preisliste ohne Anpassungsregel
Steigen die Preise eines Creators, gilt im Rahmenvertrag noch der alte Preis. Vereinbare eine jährliche Anpassung.
Widersprüche zwischen Einzelauftrag und Rahmenvertrag
Ohne Rangfolge ist unklar, was gilt. Lege sie fest.
Creator nicht einbezogen
Ein Rahmenvertrag mit festen Preisen und Rechten bindet auch die Creator. Stimme die Bedingungen mit ihnen ab.
So bildet CreatorOffice einen Rahmenvertrag ab
CreatorOffice ist ein Backoffice im Browser für Talent-Managements und Influencer-Agenturen. Belegt sind diese Funktionen:
- Vertragsbaukasten: eigene Vorlagen mit Platzhaltern, Prüfung fehlender Angaben vor dem Versand, Unterschrift per Link mit Beweiskette. Den Rahmenvertrag der Marke kannst du als PDF hochladen und unterschreiben lassen.
- Kampagnen mit mehreren Creatorn: gemeinsames Briefing, Budget und Deadline, auf Wunsch eine Sammelrechnung über die offenen Monate.
- Marken mit Ansprechpersonen und Zuständigkeit: etwa für Rechnung, Vertrag, Briefing und Freigabe.
- Preisliste je Creator mit Zuschlägen: für Nutzungsrechte und Exklusivität, je Monat oder pauschal, die ins Angebot eingehen. Ab Tarif Team.
- Angebote als PDF in Fassungen: ab Tarif Team.
- Nutzungsrechte je Beitrag: mit Erinnerung vor dem Ablauf.
Mehr dazu auf der Seite Influencer-Kooperationen verwalten. Was in welchem Tarif steckt, steht bei den Tarifen.
Häufige Fragen
Was ist ein Rahmenvertrag mit einer Marke?
Ein Vertrag, der die allgemeinen Bedingungen für künftige Kooperationen festlegt, etwa Preise, Zahlungsziel, Nutzungsrechte und Haftung. Einzelne Kampagnen werden mit kurzen Einzelaufträgen abgerufen.
Verpflichtet ein Rahmenvertrag die Marke zu Buchungen?
Nur, wenn ein Mindestvolumen vereinbart ist. Ohne diese Vereinbarung regelt er nur die Bedingungen für den Fall, dass gebucht wird.
Was gilt, wenn Einzelauftrag und Rahmenvertrag sich widersprechen?
Das bestimmt die Rangfolgeregel im Rahmenvertrag. Häufig geht der speziellere Einzelauftrag vor. Lege das ausdrücklich fest.
Wie lange sollte ein Rahmenvertrag laufen?
Oft ein Jahr mit Verlängerung und einer Kündigungsfrist. So lassen sich Preise und Bedingungen regelmäßig anpassen.
Wer trägt einen Mengenrabatt: Agentur oder Creator?
Das legst du vorher fest. Möglich ist, dass der Rabatt anteilig aus Provision und Creator-Anteil kommt oder allein aus der Provision der Agentur.
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