Ein englischer Influencer-Vertrag, meist „Influencer Agreement“ oder „Influencer Contract“ genannt, ist oft länger und weiter gefasst als ein deutscher Kooperationsvertrag. Besonders genau lesen solltest du die Klauseln zu Nutzungsrechten (Usage Rights), Exklusivität (Exclusivity), Haftungsfreistellung (Indemnification), Kündigung (Termination) und anwendbarem Recht (Governing Law). Dort stecken die größten Risiken für Creator und Agentur.
Viele Talent-Managements im DACH-Raum bekommen inzwischen Anfragen von Marken aus den USA oder Großbritannien. Die Verträge folgen einer anderen Tradition: Sie regeln vieles ausführlich, was im deutschen Recht das Gesetz erledigt. Dieser Ratgeber erklärt die typischen Klauseln mit ihrer deutschen Bedeutung, zeigt, worauf du achtest, und gibt dir Formulierungen für die Verhandlung. Eine Prüfung durch eine Kanzlei, die englische Verträge kennt, ersetzt er nicht.
Die wichtigsten Klauseln im Influencer Contract
Diese Tabelle hilft beim ersten Lesen. Sie zeigt, was die Klausel regelt und worauf du schaust:
| Klausel | Deutsche Bedeutung | Worauf achten |
|---|---|---|
| Scope of Work, Deliverables | Leistungsumfang | Anzahl, Format, Plattform, Termine, Korrekturschleifen |
| Compensation, Payment Terms | Vergütung, Zahlungsbedingungen | Betrag, Währung, Zahlungsziel („Net 30“, „Net 60“), Zahlung „upon approval“ |
| Usage Rights, License, Grant of Rights | Nutzungsrechte | Dauer, Medien, Gebiet, bezahlte Werbung, Bearbeitung |
| Exclusivity, Non-Compete | Exklusivität, Wettbewerbsverbot | Produktgruppe, Dauer, Liste der Wettbewerber |
| Approval | Freigabe | Fristen, Anzahl der Korrekturen, Freigabe gilt als erteilt nach X Tagen? |
| Disclosure, Compliance | Kennzeichnung, Regeln | Kennzeichnung von Werbung, Plattformrichtlinien |
| Morals Clause | Moralklausel | Auslöser, Folgen, Rückzahlung |
| Termination | Kündigung | „for convenience“ (ohne Grund) oder nur „for cause“ |
| Indemnification | Freistellung von Ansprüchen Dritter | einseitig oder gegenseitig, Höhe begrenzt? |
| Limitation of Liability | Haftungsbegrenzung | gilt sie für beide Seiten? |
| Work Made for Hire, Assignment | Übertragung der Rechte am Werk | Gehört der Content danach der Marke? |
| Confidentiality | Vertraulichkeit | Darf der Creator über die Kooperation sprechen, etwa im Media-Kit? |
| Independent Contractor | selbstständige Tätigkeit | Steuern trägt der Creator selbst |
| Governing Law, Jurisdiction | anwendbares Recht, Gerichtsstand | welches Land, welcher Staat, welches Gericht? |
| Force Majeure | höhere Gewalt | gilt sie auch für Krankheit des Creators? |
Die fünf Klauseln mit dem größten Risiko
Usage Rights: „perpetual, irrevocable, worldwide“
Diese drei Wörter heißen: zeitlich unbegrenzt, unwiderruflich, weltweit. Kombiniert mit „in all media now known or hereafter devised“ (in allen heute bekannten und künftigen Medien) bekommt die Marke praktisch alle Rechte, ohne zusätzliche Vergütung. Verhandle Dauer, Medien und Gebiet und lass bezahlte Werbung extra vergüten. Wie du Nutzungsrechte bepreist, steht im Ratgeber Nutzungsrechte und Preis für Influencer.
Work Made for Hire und Assignment
Hier geht es nicht um eine Lizenz, sondern darum, ob die Rechte am Content ganz auf die Marke übergehen. Der Creator dürfte seinen eigenen Content dann womöglich nicht mehr im Portfolio zeigen. Ob und wie das nach deutschem Recht wirkt, ist eine Frage für die Kanzlei. Für die Verhandlung gilt: Lizenz statt Übertragung, und der Creator darf den Content auf seinem Kanal behalten.
Indemnification
Der Creator verpflichtet sich, die Marke von allen Ansprüchen Dritter freizustellen, etwa bei Verletzung von Rechten an Musik oder Bildern. Oft unbegrenzt und einseitig. Verhandle eine gegenseitige Klausel, eine Obergrenze, etwa in Höhe des Honorars, und dass der Creator nur für eigenes Verschulden einsteht.
Termination for Convenience
Die Marke darf ohne Grund kündigen. Das ist in englischen Verträgen häufig. Wichtig ist, was dann bezahlt wird: Verhandle, dass erbrachte Leistungen und angefangene Arbeit vergütet werden, etwa mit einem festen Anteil des Honorars.
Governing Law und Jurisdiction
Steht dort „laws of the State of New York“ oder „courts of England and Wales“, müsste ein Streit dort geführt werden. Für einen Creator oder eine kleine Agentur ist das kaum durchführbar. Versuche, das Recht des eigenen Landes oder zumindest ein Schiedsverfahren mit Online-Verhandlung zu vereinbaren. Ob eine solche Klausel im Einzelfall gilt, klärst du mit deiner Kanzlei.
Zahlungsbedingungen: Net 30, Net 60 und Währung
US-Konzerne zahlen oft mit 30, 60 oder mehr Tagen Zahlungsziel, gerechnet ab Eingang einer korrekten Rechnung, manchmal erst nach Freigabe des Contents. Dazu kommen Lieferantenanlage und Steuerformulare.
Rechenbeispiel: was „Net 60 upon approval“ bedeutet
Die Daten sind frei gewählt. Die Marke Avorae aus den USA bucht drei Videos für 6.000 USD, zahlbar „Net 60 upon approval of all deliverables“.
- Entwurf Video 3 eingereicht: 1. März
- Korrekturschleife, Freigabe aller Videos: 20. März
- Rechnung gestellt: 20. März
- Zahlung fällig: 20. März + 60 Tage = 19. Mai
- Zahlung auf dem Konto nach Auslandsüberweisung: etwa Ende Mai
Zwischen Abgabe des letzten Entwurfs und Geld liegen fast drei Monate. Zahlt die Agentur den Creator vorher aus, geht sie in Vorleistung. Rechne bei einer Fremdwährung außerdem damit, dass der Betrag in Euro schwankt. Wie Vorleistung sich auf dein Konto auswirkt, kannst du mit dem Rechner zur Vorleistung durchspielen.
Steuerformulare und Lieferantenanlage
US-Marken verlangen vor der ersten Zahlung oft das Formular W-8BEN (für Einzelpersonen) oder W-8BEN-E (für Unternehmen). Was diese Formulare bedeuten, erklärt der Ratgeber W-8BEN für Creator. Die steuerliche Seite klärst du mit deiner Steuerberatung.
Formulierungen für die Verhandlung
Kurze, höfliche Änderungswünsche auf Englisch, die du anpassen kannst. Sie sind Gesprächsvorschläge, keine geprüften Vertragstexte:
| Thema | Vorschlag |
|---|---|
| Nutzungsdauer | „We propose limiting usage to 12 months from first posting, with an option to extend for an additional fee.“ |
| Bezahlte Werbung | „Paid media usage is not included in the fee and can be licensed separately.“ |
| Exklusivität | „Exclusivity applies to direct competitors listed in Exhibit A for 30 days after the last post.“ |
| Freistellung | „Indemnification should be mutual and capped at the total fee under this agreement.“ |
| Kündigung | „In case of termination for convenience, completed deliverables and work in progress are paid in full.“ |
| Portfolio | „The creator may keep the content on their own channels and use it in their portfolio.“ |
Schick Änderungen am besten gesammelt in einer Mail oder als Kommentare im Dokument, nicht einzeln über Tage verteilt.
Prüfliste für den englischen Vertrag
Mehr zur Moralklausel steht im Ratgeber Moralklausel im Influencer-Vertrag.
Typische Fehler
Nur die Zusammenfassung lesen
Die Mail der Marke sagt „standard agreement“. Die Risiken stehen aber in den Definitionen und Anhängen. Lies alles.
Übersetzungsprogramme blind vertrauen
Juristische Begriffe haben im Englischen oft eine eigene Bedeutung. Eine wörtliche Übersetzung kann in die Irre führen.
Auf „standard terms“ verzichten
Auch große Marken verhandeln. Fragen kostet nichts.
Zahlungsziel unterschätzen
Net 60 plus Freigabe plus Lieferantenanlage ergibt schnell drei Monate. Plane das ein.
So bildet CreatorOffice internationale Kooperationen ab
CreatorOffice ist ein Backoffice im Browser für Talent-Managements und Influencer-Agenturen. Für Kooperationen mit Marken im Ausland sind diese Funktionen belegt:
- Vertrag der Marke hochladen: Das PDF wird per Link von Marke und Creator unterschrieben, deine Agentur zeichnet gegen. Einfache elektronische Signatur mit Beweiskette.
- Nutzungsrechte je Beitrag: Dauer in Monaten, Art der Nutzung (organisch, bezahlte Werbung, Whitelisting), einfach oder ausschließlich, Gebiet bis weltweit, mit Erinnerung vor dem Ablauf.
- Rechnungen und Mahnungen auf Deutsch oder Englisch.
- Media-Kits mit Kurzprofil auf Deutsch und Englisch: ab Tarif Team.
- Auszahlungswege je Creator: SEPA, Auslandsüberweisung (SWIFT), PayPal oder Wise. Zahlungen außerhalb von SEPA stehen in der CSV-Datei des Laufs und werden von der Agentur selbst ausgeführt. Auszahlungsläufe ab Tarif Team.
Mehr dazu auf der Seite Influencer-Kooperationen verwalten. Was in welchem Tarif steckt, steht bei den Tarifen.
Häufige Fragen
Was bedeutet „perpetual, irrevocable, worldwide“ in einem Influencer Contract?
Die Marke darf den Content zeitlich unbegrenzt, unwiderruflich und weltweit nutzen. Das ist sehr weitgehend. Verhandle eine feste Dauer und vergüte zusätzliche Nutzung getrennt.
Was ist eine Indemnification-Klausel?
Der Creator stellt die Marke von Ansprüchen Dritter frei, etwa bei Rechtsverletzungen im Content. Verhandle eine gegenseitige Regel mit einer Obergrenze, etwa in Höhe des Honorars.
Muss ich einen englischen Vertrag nach US-Recht akzeptieren?
Nicht automatisch. Anwendbares Recht und Gerichtsstand sind verhandelbar. Was im Einzelfall gilt und welche Folgen das hat, klärst du mit einer Kanzlei.
Was heißt „Net 60“?
Die Rechnung ist 60 Tage nach einem bestimmten Zeitpunkt fällig, meist nach Rechnungseingang oder Freigabe. Steht „upon approval“ dabei, beginnt die Frist erst nach Freigabe des Contents.
Brauche ich für einen englischen Vertrag eine Kanzlei?
Bei großen Volumen, langen Laufzeiten oder weiten Nutzungsrechten ist eine Prüfung durch eine Kanzlei mit Erfahrung im englischen oder US-Vertragsrecht sinnvoll.
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