Ob ein Management Provision auf Plattform-Einnahmen nimmt, also auf Werbeerlöse aus Videos, Auszahlungen aus Creator-Programmen und Einnahmen aus Abos oder Mitgliedschaften, ist reine Vereinbarungssache. Gut begründbar ist sie, wenn das Management aktiv an diesen Einnahmen arbeitet. Viele Managements nehmen gar keine oder eine niedrigere Provision darauf, weil das Geld direkt von der Plattform kommt und ohne ihr Zutun fließen würde.
Für Streit sorgt das Thema meist erst, wenn es nicht geregelt ist und der Creator plötzlich hohe Werbeerlöse hat. Dieser Ratgeber zeigt vier Modelle mit Rechenbeispiel, wie du die Einnahmen nachweisbar abrechnest und welche Punkte in den Managementvertrag gehören.
Welche Plattform-Einnahmen gibt es?
Unter Plattform-Einnahmen fallen alle Beträge, die eine Plattform selbst an den Creator auszahlt, nicht eine Marke:
| Art | Beispiel | Wie stark beeinflusst das Management die Höhe? |
|---|---|---|
| Werbeerlöse | Anteil an Werbung vor und in Videos | gering bis mittel, über Formate und Upload-Planung |
| Creator-Programme | Vergütung nach Aufrufen oder Leistung | gering |
| Abos und Mitgliedschaften | Kanal-Mitgliedschaften, Abos auf Streaming-Plattformen | mittel, über Angebot und Pflege der Community |
| Spenden und virtuelle Geschenke | Zuwendungen in Livestreams | gering |
| Eigene Bezahlinhalte | kostenpflichtige Kurse oder Inhalte auf Plattformen | hoch, wenn das Management Aufbau und Vermarktung übernimmt |
Abzugrenzen sind Einnahmen von Marken: Sponsorings, Integrationen und Affiliate. Für diese gelten die normalen Regeln der Provision. Wie Affiliate-Einnahmen im Management laufen, beschreibt der Ratgeber Affiliate-Einnahmen im Management abrechnen.
Provision auf Plattform-Einnahmen: vier Modelle
Modell 1: keine Provision
Das Management verdient nur an Kooperationen mit Marken. Plattform-Einnahmen bleiben ganz beim Creator.
Passt, wenn: das Management keine Arbeit in Kanalwachstum oder Plattform-Einnahmen steckt. Für Creator ist das Modell leicht nachzuvollziehen.
Modell 2: eigener niedriger Satz
Auf Plattform-Einnahmen gilt ein Satz, der unter dem Satz für Markendeals liegt.
Passt, wenn: das Management allgemein am Kanal mitarbeitet, etwa bei Strategie und Planung, aber die Einnahmen nicht direkt steuert.
Modell 3: Provision nur auf Zuwachs
Ihr legt eine Basis fest, etwa die durchschnittlichen Plattform-Einnahmen der letzten zwölf Monate vor Beginn der Zusammenarbeit. Provision gibt es nur auf den Teil darüber.
Passt, wenn: der Creator schon vor dem Management Einnahmen hatte und das Management für Wachstum bezahlt werden soll.
Modell 4: Provision bei aktiver Betreuung
Provision fällt nur auf Einnahmequellen an, die das Management aufgebaut hat oder betreut, etwa ein neues Mitgliedschaftsangebot.
Passt, wenn: klare Projekte vereinbart sind, die sich abgrenzen lassen.
Rechenbeispiel: vier Modelle im Vergleich
Die Zahlen sind frei gewählt, ohne Steuern. Creator Jona Wiese hatte im Jahr vor dem Management 12.000 € Plattform-Einnahmen, also 1.000 € im Monat. Im ersten Jahr mit Management sind es 18.000 €. Der Provisionssatz für Markendeals beträgt 20 %.
| Modell | Grundlage | Satz | Provision im Jahr | Jona behält |
|---|---|---|---|---|
| 1: keine Provision | keine | 0 % | 0 € | 18.000 € |
| 2: niedriger Satz | 18.000 € | 10 % | 1.800 € | 16.200 € |
| 3: nur Zuwachs | 18.000 € − 12.000 € = 6.000 € | 20 % | 1.200 € | 16.800 € |
| 4: aktive Betreuung | neues Mitgliedschaftsangebot mit 4.000 € | 20 % | 800 € | 17.200 € |
Im Modell 4 stammen die 4.000 € aus einem Angebot, das das Management aufgebaut hat. Die übrigen 14.000 € bleiben provisionsfrei.
Kein Modell ist richtig oder falsch. Modell 3 belohnt Wachstum, Modell 2 ist einfach zu rechnen, Modell 4 ist am genauesten, braucht aber die sauberste Abgrenzung.
Wie rechnest du Plattform-Einnahmen ab?
Plattformen zahlen an den Creator, nicht an die Agentur. Das Management stellt dem Creator also seine Provision in Rechnung. Ein bewährter Ablauf:
- Rhythmus festlegen: monatlich oder quartalsweise. Bei kleinen Beträgen reicht ein Quartal.
- Nachweis vereinbaren: Der Creator schickt die Auszahlungsübersicht der Plattform für den Zeitraum, als PDF oder Screenshot.
- Grundlage prüfen: Stimmt der Zeitraum? Welche Einnahmen fallen unter die Regel? Wurden Steuern einbehalten?
- Provisionsrechnung stellen: auf die vereinbarte Grundlage, mit Zeitraum und Plattform in der Leistungsbeschreibung.
- Ablage: Nachweis und Rechnung zusammen ablegen.
Brutto oder nach Einbehalt?
Manche Plattformen behalten Steuern ein, bevor sie auszahlen. Für Creator außerhalb der USA verlangt YouTube zum Beispiel US-Steuerangaben und behält auf Einnahmen von Zuschauern aus den USA je nach Angaben und Doppelbesteuerungsabkommen zwischen 0 und 30 % ein. Legt fest, ob die Provision auf den ausgewiesenen Betrag vor oder nach diesem Einbehalt gerechnet wird. Für Creator ist „nach Einbehalt“ meist fairer, weil es dem Geld entspricht, das ankommt. Wie diese Steuerformulare funktionieren, beschreibt der Ratgeber W-8BEN für Creator. Die steuerliche Behandlung klärt der Creator mit seiner Steuerberatung.
Was in den Managementvertrag gehört
Unabhängig vom Modell sollten diese Punkte schriftlich stehen:
Wie Managementverträge allgemein aufgebaut sind, zeigt der Ratgeber Managementvertrag für Creator. Die Formulierung klärst du mit deiner Kanzlei.
Das Gespräch mit dem Creator
Plattform-Einnahmen sind für viele Creator persönlich. Sie haben den Kanal oft lange vor dem Management aufgebaut. Ein paar Hinweise für das Gespräch:
- Begründe die Provision mit Arbeit, nicht mit Gewohnheit. „Wir planen mit dir Formate und Uploads und bauen das Mitgliederangebot auf“ überzeugt mehr als „das ist üblich“.
- Zeig das Rechenbeispiel mit seinen Zahlen. Dann sieht der Creator, was bei ihm bleibt.
- Biete Transparenz an: Der Creator sieht jede Provisionsrechnung und ihre Grundlage.
- Plane eine Überprüfung ein: etwa nach zwölf Monaten im Jahresgespräch.
Typische Fehler
Plattform-Einnahmen gar nicht regeln
Dann gilt im Zweifel das, was jede Seite für selbstverständlich hält. Streit ist programmiert.
Provision ohne Nachweis
Wer Provision auf geschätzte Einnahmen rechnet, verliert Vertrauen. Rechne nur mit belegten Zahlen.
Steuereinbehalt nicht berücksichtigen
Rechnet das Management auf den Betrag vor Einbehalt, zahlt der Creator Provision auf Geld, das er nie bekommen hat. Legt das vorher fest.
Basis zu spät festlegen
Ohne Ausgangswert lässt sich Zuwachs nicht messen. Halte ihn zu Beginn fest.
So bildet CreatorOffice Provisionen auf Plattform-Einnahmen ab
CreatorOffice ist ein Backoffice im Browser für Talent-Managements und Influencer-Agenturen. Belegt sind diese Funktionen:
- Provisionsrechnungen an Creator: neben Rechnungen an Marken und der Prüfung eingereichter Creator-Rechnungen.
- Provisionssätze: je Kooperation, je Creator, je Herkunft oder als Standard der Agentur, auch als Staffel.
- Kooperationen auf Provisionsbasis: jeder Monat mit eigenem Stand.
- Zahlungen an der Rechnung: auch Teilzahlungen, Rechnungsübersicht mit Filtern für offen, überfällig und bezahlt.
- Kennzahlen: Umsatz, Provision und Creator-Anteil nach Zeitraum, Creator, Marke, Plattform und Herkunft.
CreatorOffice ist nicht an die Plattformen angebunden. Einnahmen und Nachweise trägst du aus den Unterlagen des Creators ein. Mehr dazu auf der Seite Provisionen und Auszahlungen an Creator. Was in welchem Tarif steckt, steht bei den Tarifen.
Häufige Fragen
Nehmen Managements Provision auf YouTube-Werbeeinnahmen?
Manche ja, manche nein. Es ist eine Frage der Vereinbarung. Gut begründbar ist eine Provision, wenn das Management aktiv am Kanal arbeitet, etwa an Formaten und Planung.
Wie hoch sollte die Provision auf Plattform-Einnahmen sein?
Eine feste Regel gibt es nicht. Viele Managements wählen einen niedrigeren Satz als für Markendeals oder rechnen nur auf den Zuwachs über einer vereinbarten Basis.
Wie weist der Creator seine Plattform-Einnahmen nach?
Mit der Auszahlungsübersicht der Plattform für den Abrechnungszeitraum, als PDF oder Screenshot. Rhythmus und Form legt ihr im Vertrag fest.
Rechnet die Provision vor oder nach einbehaltenen Steuern?
Das legt ihr fest. Für Creator ist eine Provision auf den Betrag nach Einbehalt meist fairer, weil er dem Geld entspricht, das tatsächlich ankommt.
Wer stellt die Rechnung?
Das Management stellt dem Creator eine Provisionsrechnung, weil die Plattform direkt an den Creator auszahlt.
Gilt die Provision auf Plattform-Einnahmen auch nach Vertragsende?
Nur, wenn ihr eine Nachprovision vereinbart habt. Bei Plattform-Einnahmen ist das selten sinnvoll, weil die Einnahmen nach dem Ende nicht mehr auf die Arbeit des Managements zurückgehen. Wenn überhaupt, dann für einen kurzen Zeitraum und nur für Projekte, die das Management aufgebaut hat.
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