UGC-Agentur oder direkt: Beide Wege führen zu bezahlten Aufträgen, aber sie verteilen die Arbeit anders. Eine UGC-Agentur übernimmt Kundensuche, Kundenkontakt und Abrechnung mit der Marke, dafür bekommst du meist weniger je Video. Direkt arbeitest du ohne Zwischenstation, trägst aber alles selbst.
Welcher Weg besser ist, hängt von deinen Zahlen und deiner Zeit ab, nicht vom Gefühl. Dieser Ratgeber zeigt dir, was jede Seite übernimmt, wie du beide mit demselben Maßstab durchrechnest und wann du sie kombinierst.
UGC-Agentur oder direkt: wer welche Aufgabe übernimmt
Schau zuerst, was bei jedem Auftrag anfällt und wer es erledigt:
| Aufgabe | Direkt mit der Marke | Über eine UGC-Agentur |
|---|---|---|
| Kunden finden | Du selbst | Die Agentur |
| Ansprechperson bei der Marke | Du | Die Agentur |
| Briefing | Du klärst es mit der Marke | Die Agentur gibt es an dich weiter |
| Angebot und Preis | Du schreibst es | Die Agentur legt meist die Vergütung fest, du nimmst an oder lehnst ab |
| Rechnung | An die Marke | An die Agentur, oder du bestätigst eine Gutschrift |
| Nachfassen bei Zahlung | Du | Die Agentur |
| Rückfragen bündeln | Du | Die Agentur sammelt sie |
Der Unterschied liegt also nicht im Video. Er liegt in allem davor und danach. Wie ein Auftrag über eine Agentur im Alltag läuft, zeigt der Ratgeber Zusammenarbeit mit UGC-Agenturen.
Rechenweg statt Bauchgefühl: Vergütung je Stunde
Vergleichbar werden beide Wege, wenn du alle Stunden zählst. Die Formel lautet: Vergütung geteilt durch alle Stunden, die du für den Auftrag brauchst. Dazu zählt auch die Zeit für Akquise und Verwaltung.
Ein Beispiel mit frei gewählten Zahlen, keine Marktpreise, alle Beträge ohne Steuern. Die Creatorin Ava Brandt liefert ein Paket aus einem Video und drei Hook-Versionen:
| Direkt mit der Marke | Über eine UGC-Agentur | |
|---|---|---|
| Vergütung für das Paket | 600 € | 450 € |
| Produktion (Skript, Dreh, Schnitt, Korrektur) | 8 Stunden | 8 Stunden |
| Verwaltung (Angebot, Absprachen, Rechnung) | 3 Stunden | 1 Stunde |
| Akquise für diesen Kunden | 4 Stunden | 0 Stunden |
| Alle Stunden | 15 Stunden | 9 Stunden |
| Vergütung je Stunde | 40 € | 50 € |
Nachgerechnet: 600 € geteilt durch 15 Stunden sind 40 €, 450 € geteilt durch 9 Stunden sind 50 €. Mit diesen Annahmen bleibt über die Agentur je Stunde mehr, obwohl das Paket weniger einbringt. Bei einer Vergütung von 360 € wären beide Wege gleichauf, denn 9 Stunden mal 40 € sind 360 €.

Mit anderen Zahlen dreht sich das Bild. Dauert die Akquise bei einer Marke nur 1 Stunde, weil sie dich schon kennt, sind es 12 Stunden. Dann ergeben 600 € geteilt durch 12 Stunden ebenfalls 50 €. Wie Stammkunden die Rechnung verändern, steht im Ratgeber UGC-Stammkunden gewinnen. Deine eigenen Stunden findest du nur durch Mitschreiben, wie UGC-Zeitaufwand pro Video zeigt.
Wann bekommst du dein Geld?
Zwei Angebote mit gleicher Vergütung sind nicht gleich gut, wenn eines früher zahlt. Frag deshalb immer nach dem Zeitpunkt:
| Direkt | Über eine Agentur | |
|---|---|---|
| Wer zahlt dich? | Die Marke | Die Agentur |
| Wann? | Nach dem Zahlungsziel, das du im Angebot nennst | Nach der Regel der Agentur |
| Mögliche Regeln | Das Ziel legst du selbst fest | Feste Frist nach der Abnahme, oder erst nach Zahlungseingang der Marke |
Bei Regel „erst nach Zahlungseingang“ wartest du, bis die Marke gezahlt hat. Bei einer festen Frist legt die Agentur das Geld vor und trägt das Risiko, dass die Marke später zahlt. Der Rechner Vorleistung berechnen ist für Agenturen gedacht. Er zeigt, wie viel Geld sie wie lange vorstreckt. Daran erkennst du, warum Agenturen verschiedene Regeln wählen. Er rechnet im Browser, ohne zu speichern.
Was eine Agentur dir bringt, das die Rechnung nicht zeigt
Die Stundenrechnung erfasst nicht alles. Eine UGC-Agentur kann dir Marken öffnen, die du allein nicht erreichst, weil sie dort feste Ansprechpersonen kennt. Sie fängt Rückfragen ab und trägt das Gespräch mit der Marke, wenn es schwierig wird. Das hat einen Wert, auch wenn er in keiner Zeile steht.
Umgekehrt kostet ein direkter Kunde Nerven, wenn er nicht zahlt oder ständig Änderungen schickt, und du trägst das allein. Schreib deshalb zu jeder Rechnung zwei Zeilen dazu: Was war gut an diesem Weg, was hat genervt? Nach drei Aufträgen siehst du, ob die Zahl und dein Gefühl in dieselbe Richtung zeigen.
Beides kombinieren: Agenturkunden direkt ansprechen?
Viele UGC-Creator arbeiten für zwei Agenturen und haben eigene Marken daneben. Das funktioniert gut, wenn die Regeln vorab klar sind. Frag die Agentur schriftlich:
- Darf ich eine Marke, für die ich über euch gearbeitet habe, später direkt anschreiben?
- Gibt es Marken, bei denen ich nicht direkt anfragen soll?
- Muss ich Anfragen, die bei mir ankommen, an euch weitergeben?
Was Kundenschutz und Exklusivität in einem Vertrag bedeuten, klärst du mit einer Kanzlei. Du entscheidest erst danach.
Die Entscheidung als Checkliste
Rechne die letzte Frage für zwei echte oder geplante Aufträge durch, nicht für einen erfundenen Idealfall. Schätze die Stunden ehrlich, auch die für Nachrichten und Rechnung. Rechne dann den Auftrag, der dir mehr Spaß machen würde, noch einmal mit 2 Stunden mehr durch. Bleibt dein Ergebnis gleich, ist die Entscheidung stabil.
Daraus lässt sich eine einfache Regel bilden: Wenn dir Zeit und Lust für die Kundensuche fehlen und du verlässliche Fristen willst, spricht viel für eine Agentur. Wenn du Kontakte hast, gern Angebote schreibst und deinen Preis selbst bestimmen willst, spricht viel für den direkten Weg. Wer beides mischt, hat Vorteile, aber auch mehr Absprachen.
Wie du dich bei einer Agentur bewirbst, steht im Ratgeber Bei einer UGC-Agentur bewerben. Geht es dir um die grundsätzliche Frage, ob du ein Management brauchst, hilft Talent-Management oder Influencer-Agentur: der Unterschied weiter.
Mit Agentur: dein Anteil im Creator-Portal
Nutzt die Agentur, mit der du arbeitest, CreatorOffice, hast du als Creator diese Übersicht:
- Deine Deals: je Monat mit Stand, deinem Anteil und der Frist
- Deal im Detail: Umfang, Plattform, Nutzungsdauer und Termin der Content-Abgabe
- Rechnungen: Du reichst deine Rechnung ein oder bestätigst eine Gutschrift und siehst den Stand
- Auszahlung: Die Agentur führt sie aus und entscheidet, ob nach fester Frist oder nach Zahlungseingang der Marke; CreatorOffice selbst überweist kein Geld
Den Zugang bekommst du per Einladung der Agentur. Wie das Portal aussieht, zeigt die Seite Für Creator.
Häufige Fragen
Lohnt sich eine UGC-Agentur für mich?
Das zeigt deine Rechnung: Vergütung geteilt durch alle Stunden, mit und ohne Agentur. Dazu kommt, wie wichtig dir verlässliche Aufträge und feste Ansprechpersonen sind. Ein Beispiel dieses Ratgebers kommt mit frei gewählten Zahlen auf 50 € gegenüber 40 € je Stunde.
Verdiene ich direkt mehr als über eine Agentur?
Nicht automatisch. Direkt bekommst du für das Paket oft mehr, rechnest aber mehr Stunden für Akquise und Verwaltung. Erst die Vergütung je Stunde macht beide Wege vergleichbar.
Kann ich gleichzeitig für Agenturen und direkt für Marken arbeiten?
Ja, wenn du vorab klärst, ob du Kunden der Agentur direkt ansprechen darfst. Lass dir die Antwort schriftlich geben. Vertragsfragen dazu klärst du mit einer Kanzlei.
Wann zahlt eine UGC-Agentur?
Das legt jede Agentur selbst fest, zum Beispiel nach einer festen Frist ab Abnahme oder erst nach Zahlungseingang der Marke. Frag danach, bevor du zusagst.
Welche Fragen stelle ich einer Agentur vor der Zusage?
Wer Ansprechperson ist, wie Briefing und Lieferung laufen, wie die Vergütung je Video festgelegt wird, wie viele Korrekturrunden enthalten sind und wann sie auszahlt.
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