Bucht eine Mediaagentur Influencer für eine Marke, musst du vor dem Angebot drei Dinge klären: Wer ist dein Vertragspartner, die Mediaagentur oder die Marke? An wen geht die Rechnung, mit welcher Bestellnummer? Und erwartet die Mediaagentur eine AE-Provision, also einen Abzug vom Preis als Vergütung für ihre Arbeit? Wer diese Fragen erst bei der Rechnung stellt, wartet oft Wochen auf sein Geld.
Mediaagenturen planen und kaufen Werbung im Auftrag von Marken. Für Talent-Managements sind sie interessante Kunden: größere Budgets, wiederkehrende Kampagnen, professionelle Abläufe. Gleichzeitig ist die Kette länger, und jede Stufe hat eigene Regeln. Dieser Ratgeber erklärt die Rollen, rechnet die AE-Provision durch und gibt dir eine Checkliste für Angebot, Vertrag und Rechnung.
Wer ist wer, wenn eine Mediaagentur Influencer bucht?
In einer Kampagne mit Mediaagentur gibt es meist vier Beteiligte:
| Rolle | Aufgabe | Typischer Kontakt |
|---|---|---|
| Marke | Auftraggeber der Kampagne, gibt Budget und Ziele vor | Marketing, Brand Management |
| Mediaagentur | plant und kauft Werbung im Auftrag der Marke | Planer, Einkauf, Buchhaltung |
| Talent-Management | vermittelt Creator, verhandelt, organisiert, rechnet ab | du |
| Creator | erstellt und veröffentlicht den Content |
Manchmal kommt eine Kreativagentur dazu, die das Briefing schreibt und Content freigibt. Dann hast du drei Ansprechpartner für eine Kooperation. Halte fest, wer wofür zuständig ist: Vertrag, Briefing, Freigabe, Rechnung.
Bucht die Mediaagentur im eigenen Namen oder im Namen der Marke?
Das ist die wichtigste Frage, weil sie bestimmt, wer dein Vertragspartner ist und an wen die Rechnung geht:
- Im eigenen Namen: Die Mediaagentur ist dein Kunde. Du stellst ihr die Rechnung, sie rechnet ihrerseits mit der Marke ab. Zahlt die Marke spät, zahlt oft auch die Mediaagentur spät.
- Im Namen der Marke: Die Marke ist Vertragspartner, die Mediaagentur handelt als Vertreterin. Die Rechnung geht an die Marke, manchmal zu Händen der Mediaagentur.
Steht das nicht klar in der Buchung, frag schriftlich nach. Die Antwort gehört in den Vertrag.
Was ist die AE-Provision?
Die AE-Provision, nach dem früheren Begriff „Annoncen-Expedition“, ist eine Vergütung, die Mediaagenturen traditionell von den Werbeträgern erhalten: Sie kaufen Werbung zum Bruttopreis ein, und der Anbieter gewährt ihnen einen Abzug als Provision. Manche Mediaagenturen übertragen das auf Influencer-Buchungen und erwarten, dass das Management einen Abzug auf seinen Preis gewährt.
Ob und in welcher Höhe eine AE-Provision anfällt, ist Verhandlungssache. Sie ist kein Naturgesetz. Wichtig ist, dass du vorher weißt, ob sie erwartet wird, damit du deinen Preis entsprechend aufbaust.
Brutto, Netto, Netto-Netto
In Angeboten an Mediaagenturen tauchen oft drei Preisstufen auf:
| Begriff | Bedeutung |
|---|---|
| Brutto (Media) | Listenpreis vor allen Abzügen, nicht mit der Umsatzsteuer verwechseln |
| Netto | Preis nach Rabatten |
| Netto-Netto | Preis nach Rabatten und AE-Provision, also das, was beim Management ankommt |
Alle drei Stufen sind ohne Umsatzsteuer gemeint. Schreib in jedes Angebot, welche Stufe dein Preis ist. Missverständnisse über „brutto“ und „netto“ sind die häufigste Ursache für Streit über den Rechnungsbetrag.
Rechenbeispiel: AE-Provision und Provision des Managements
Die Zahlen sind frei gewählt, ohne Umsatzsteuer. Eine Mediaagentur bucht für die Marke Lumen Skincare zwei Reels von Mara Linden. Studio Nordlicht nennt einen Mediapreis von 8.000 €. Die Mediaagentur erwartet 15 % AE-Provision, der Satz ist frei gewählt.
Variante A: AE-Provision vom Preis abziehen
- Mediapreis: 8.000 €
- AE-Provision 15 %: 1.200 €
- Rechnungsbetrag an die Mediaagentur: 8.000 € − 1.200 € = 6.800 €
- Provision Studio Nordlicht (20 % auf 6.800 €): 1.360 €
- Anteil von Mara: 6.800 € − 1.360 € = 5.440 €
Variante B: AE-Provision aufschlagen, damit dein Nettoziel bleibt
Soll bei Studio Nordlicht weiterhin 8.000 € ankommen, muss der Mediapreis so hoch sein, dass nach Abzug von 15 % noch 8.000 € übrig bleiben:
- Mediapreis: 8.000 € ÷ 0,85 = 9.411,76 €
- AE-Provision 15 %: 1.411,76 €
- Rechnungsbetrag: 8.000 €
- Provision Studio Nordlicht (20 %): 1.600 €
- Anteil von Mara: 6.400 €
Der Unterschied für Mara beträgt 960 €. Deshalb gilt: Frag nach der AE-Provision, bevor du Preise nennst, und rechne sie in dein Angebot ein. Die Provision deines Managements bezieht sich auf den Betrag, der tatsächlich bei dir ankommt. Sag das auch dem Creator.
Bestellnummer, Lieferantenanlage, Zahlungsziel
Mediaagenturen und Konzerne arbeiten mit festen Einkaufsprozessen:
- Lieferantenanlage: Bevor die erste Rechnung bezahlt wird, musst du oft als Lieferant angelegt werden, mit Formularen, Bankbestätigung und Steuernummern.
- Bestellnummer: Die Mediaagentur erzeugt eine Bestellung (Purchase Order, kurz PO) mit einer Nummer. Diese Nummer muss auf deiner Rechnung stehen. Warum Rechnungen ohne sie liegen bleiben, erklärt der Ratgeber Bestellnummer auf der Rechnung.
- Zahlungsziel: Mediaagenturen geben oft lange Zahlungsziele vor, manchmal mit der Regel, erst zu zahlen, wenn die Marke gezahlt hat. Lies diesen Punkt genau und verhandle, wenn er nicht zu deiner Liquidität passt. Was du dabei beachtest, steht im Ratgeber Zahlungsziel mit Marken.
- Leistungsnachweis: Häufig verlangt die Mediaagentur Belege für die Veröffentlichung, etwa Links, Screenshots und Kennzahlen nach einer bestimmten Zeit. Kläre vorher, was sie braucht.
Ob eine Regel „Zahlung erst nach Zahlung der Marke“ in deinem Fall wirksam ist, klärst du mit deiner Kanzlei.
Checkliste: Kampagne über eine Mediaagentur
Vor dem Angebot
Vor dem Vertrag
Vor der Rechnung
Typische Fehler mit Mediaagenturen
AE-Provision erst bei der Rechnung bemerken
Dann fehlen plötzlich 15 % oder mehr. Frag vor dem Angebot.
Unklar, wer zahlt
Die Rechnung geht an die Marke, die Marke verweist auf die Mediaagentur, die Mediaagentur auf die Marke. Lege den Rechnungsempfänger schriftlich fest.
Keine Bestellnummer
Ohne PO bleibt die Rechnung in der Buchhaltung liegen. Stell die Rechnung erst, wenn die Nummer vorliegt.
Freigaben über drei Stellen
Wenn Marke, Mediaagentur und Kreativagentur Content freigeben, verdoppeln sich Korrekturschleifen. Vereinbare, wer das letzte Wort hat und wie viele Schleifen enthalten sind.
Creator erfährt den Abzug zu spät
Wenn Mara 8.000 € im Kopf hat und 5.440 € bekommt, ist das Vertrauen weg. Zeig dem Creator die Rechnung von Anfang an.
So bildet CreatorOffice Kampagnen mit Mediaagentur ab
CreatorOffice ist ein Backoffice im Browser für Talent-Managements und Influencer-Agenturen. Für Buchungen über Mediaagenturen sind diese Funktionen belegt:
- Marken mit Ansprechpersonen und Zuständigkeit: etwa für Rechnung, Vertrag, Briefing und Freigabe. In jedem Tarif.
- Rechnung aus der Kooperation: Budget, Zusatzpositionen und Agenturgebühr kommen aus dem Deal, der Rest ist vorbelegt. Mehrere Kooperationen einer Marke fasst du zur Sammelrechnung zusammen.
- Kampagnen mit mehreren Creatorn: gemeinsames Briefing, Budget und Deadline, auf Wunsch eine Sammelrechnung über offene Monate.
- XRechnung: wenn ein Kunde eine E-Rechnung verlangt, per Haken an der Marke, in jedem Tarif.
- Freigabe per Link: für Marke oder Agentur, ohne eigenes Konto, ab Tarif Team.
- Mahnwesen: Fälligkeiten erkennen, Mahnung vorbereiten, Versand per Klick.
- Was Creator sehen: auf Wunsch auch Budget, Provision und Zahlungsstand der Marke.
Mehr dazu auf der Seite Rechnungen und Mahnwesen für Agenturen. Was in welchem Tarif steckt, steht bei den Tarifen.
Häufige Fragen
Was ist eine AE-Provision bei Influencer-Buchungen?
Eine Vergütung, die Mediaagenturen traditionell von Werbeträgern erhalten. Bei Influencer-Buchungen erwarten manche Mediaagenturen einen entsprechenden Abzug vom Preis. Ob und wie hoch, ist Verhandlungssache.
An wen geht die Rechnung, wenn eine Mediaagentur bucht?
An deinen Vertragspartner. Bucht die Mediaagentur im eigenen Namen, an sie. Bucht sie im Namen der Marke, an die Marke. Kläre das schriftlich vor dem Vertrag.
Was bedeutet netto-netto im Angebot?
Der Preis nach allen Rabatten und nach der AE-Provision, also der Betrag, der beim Management ankommt. Alle diese Stufen sind ohne Umsatzsteuer.
Worauf bezieht sich die Provision des Managements bei einer AE-Provision?
Sinnvollerweise auf den Betrag, den das Management tatsächlich erhält. Halte das im Managementvertrag fest und erkläre es dem Creator.
Warum zahlt die Mediaagentur nicht?
Häufige Gründe sind eine fehlende Bestellnummer, eine unvollständige Lieferantenanlage oder eine Regel, erst nach Zahlung der Marke zu zahlen. Prüfe diese Punkte zuerst.
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